In der Welt der Engel
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Über

Ich bin Heike. Habe 2006 angefangen eine Geschichte zu schreiben, mit dem Titel;

"Welt der Engel"

Darin geht es um zwei kleine Seelen, die in den Himmel kommen und feststellen, dass sich ihnen eine ganz neue Welt eröffnet. An der Seite von Helden des Himmels werden ihnen die Fähigkeiten ihres neuen Daseins öffenbart, die der Schutzengel. Viel Spaß beim lesen.

Alter: 52
 
Schule: ja in Mönchengladbach2
Universität: ja in Nimmerland



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meleyim2 am 27.4.09 10:24


meleyim2 am 27.4.09 10:13


Kapitel 23 -Füge Menschen keinen Schaden zu

Kapitel 23

Engelsgesetz Nr.1
- Füge Menschen keinen Schaden zu! -

Zufrieden mit sich und ihrer Arbeit machen Helmut und Josh sich auf den Weg in die Stadt. Es wird langsam hell und die Menschen beginnen wieder aktiv zu werden. „Sam hat mir noch mal klar gemacht, dass wir nicht immer das Schlimmste verhindern können.“ Greift Helmut das Thema wieder auf. „Dass manchmal zu viele negative Faktoren zusammen kommen und wir den Lauf nicht mehr wesentlich verändern können. Dass selbst uns manchmal die Hände gebunden sind.“ Beide schweigen eine Weile. „Doch gerade bei Kindern werde ich es niemals wirklich akzeptieren können.“ Sagt er mit Nachdruck. „Du weißt aber, wenn der Vater von Mesut und Kerim nicht feige aus dem Haus gelaufen wäre, hätten sie alle Kinder retten können.“ Lenkt Josh ein. „Hätte, wäre, würde! Genau für solche Fälle haben wir doch da zu sein!“ ruft Helmut verärgert. „Es ist alles schief gelaufen, was schief laufen konnte und ich habe Sam schon so oft gesagt, dass es ein Fehler ist, Engelsschüler als Babysitter zu nehmen. Du siehst doch, wenn es wirklich drauf an kommt, fehlt ihnen die Erfahrung um richtig handeln zu können. Annika war völlig überfordert.“ „Sie wusste nicht, was sie tun sollte, als Mesut nach oben schlich und sich unter seine Bettdecke versteckte.“ Nimmt Josh Annika in Schutz. „Warum hatte sie ihm nicht ein Bein gestellt, dass er die Treppe herunter fällt?“ Helmut wird immer ärgerlicher, aber hauptsächlich darum, weil er nicht zur Stelle war, an dem besagten Morgen. „Du weißt ganz genau, dass wir Menschen nicht wissentlich Schaden zu fügen dürfen.“ Erinnert Josh ihn. „Und wenn es sie vor Schlimmerem bewart? Ich verstehe dieses Gesetz nicht. Ich habe es  nie verstanden.“ „Aber warum ist deine Nichte nicht zuerst nach oben gelaufen, um Kerim da heraus zu holen?“ fragt sich Josh. „Dass kann ich dir ganz genau sagen.
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Sie stand vor dem brennenden Wohnzimmer, mit dem Wissen, dass sie Mesut dort verlassen hatte. Sie musste sich entscheiden. Die zwei kleinen Babys waren direkt neben ihr, im Elternschlafzimmer, griffbereit. Und was sie dachte, kann ich dir auch sagen. „Mesut ist im Wohnzimmer und die Flammen gehen bis zur Decke. Die Babys schlafen nebenan und Kerim ist oben. Ich müsste zuerst nach oben, aber was ist wenn Kerim überlebt und Mesut nicht? Was passiert mit den Babys, wenn ich´s nicht mehr runter schaffe? Was ist mit den Zwillingen? Seinem 2. Lieblingssohn? Hasan bringt uns um. Ich brauche eine Minute zum Nachdenken. In der Zeit bring´ ich die Zwillinge runter und komme sofort wieder hoch.“ „Verdammt! Warum ist Mesut nicht nach unten, zu seiner Mama gelaufen?“ ruft Helmut verärgert. „Dass kann ich dir sagen. Weil er Schiss vor seinem Vater hatte, genau so, wie deine Nichte.“ meint Josh. „Helmut! Joshua!“ hören sie Sam Stimme von oben. „Kommt bitte beide zu mir. Ich muss mit euch reden.“ Helmut und Josh sehen sich kurz an und blicken dann beide nach oben, ob sie freien Flug haben. Sie machen einen Satz, wie Vorgestern Miguel mit Mesut und Kerim und sind in Nullkomma Nichts da. Sam und Selina sitzen auf ihrem Wolkenhügel, doch diesmal sind sie allein. „Setzt euch bitte zu uns.“ Fordert Sam sie auf, damit Helmut sich erst einmal beruhigen kann. „Wir haben doch Vorgestern schon ausgiebig darüber diskutiert und du willst es anscheinend nicht begreifen.“ spricht Sam mit ruhiger Stimme, doch etwas verärgert zu Helmut. „Ich habe dir schon gesagt, dass ich nicht anders handeln konnte, um Schlimmeres zu verhindern. Du weißt, wir können nur das Beste aus der Situation machen, wie sie uns vorgegeben wird. Und du weißt auch, dass deine Nichte es nicht geschafft hätte, wäre sie zuerst nach oben gelaufen. Sie wären alle verloren gewesen, bis auf den Vater. Ich musste Mesut und Kerim zu uns holen.“ Sam macht eine eindringliche Pause. „Du weißt, was passiert wäre. Also lass es gut sein und akzeptiere die Situation.“ „Deine Nichte wird ihn dafür endlich verlassen.“ Wirft Selina einen Blick in die Zukunft.
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„Erinnere mich nicht daran.“ regt Helmut sich wieder auf. „Es wird ihn nicht eine Sekunde erschüttern. Nach 3 Monaten Urlaub in seinem Heimatland, wo er sich ausgiebig trösten lassen wird, kommt er verheiratet wieder zurück, um dort eine neue Familie zu gründen. Das Beste ist, dass er einen Sohn bekommen wird, den er Mesut nennt.“ „Das ist seine Art die Trauer zu überwinden.“ antwortet Sam. „Menschen sind halt keine Engel…“ Helmut schaut ihn resigniert an und schüttelt den Kopf. „Du meinst es immer zu gut mit den Menschen. Manche haben es wirklich nicht verdient.“ Sam sieht ihn nachdenklich an. „Ich weiß, dass diese Sache dich sehr mitgenommen hat und du deshalb keine klare Sicht der Situation haben kannst,“ Sam macht eine gedankenvolle Pause. „und deshalb möchte ich, dass du heute frei nimmst, um deine Großneffen zu besuchen. Ich möchte dich jedoch bitten,“ fährt Sam schnell fort. „dass du nichts Unüberlegtes zu ihnen sagst, denn sie haben noch keine Ahnung von allem.“ „Ich weiß, was du meinst, Sam“ wirft Helmut ein. „Dann weißt du auch, dass Mesut auf keinen Fall schon mit seiner Vergangenheit konfrontiert werden darf.“ meint Sam sehr eindringlich. Helmut sieht deprimiert nach unten. „Natürlich. Ich werde nicht sagen, wer ich bin.“ Helmut scheint nun die Situation zu akzeptieren. „Die Zeit wird kommen, wo du alles mit ihm besprechen kannst.“ erzählt Selina ihm mitfühlend. Sei geduldig und warte, bis Mesut sich bei uns gefestigt hat.“ Josh sitzt die ganze Zeit nur schweigsam dabei. Er kann Helmut so gut verstehen. „Denk bitte daran, wie lange du damals gebraucht hast, um das Unglück unbeschadet aufzunehmen.“ fügt Selina flüsternd hinzu.

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meleyim2 am 27.4.09 09:55


Kapitel 24 -Gefahren

Kapitel 24

Gefahren !

Der Wind hat heute Nacht ständig seine Richtung gewechselt und somit ist das Glashaus wieder und wieder in die Strahlung des Satelliten geraten. Rene´ und Miguel liegen nach wie vor bei den zwei Engelsschülern und überwachen ihre Träume. „Gleich beginnt der erste Unterrichtstag für Mesut und Kerim.“ überlegt Miguel laut. „Es ist tatsächlich das Wichtigste, was sie hier zu lernen haben. Vor allem, damit Mesut nicht mehr ausbüchsen wird.“ antwortet Rene´ und während sie sich unterhalten, fangen sich immer wieder Blitze über ihre Köpfe. Doch die beiden Kleinengel schlafen friedlich und träumen von Kaiko und seine verrückte Sprüche. Die Sterne strahlen langsam blasser, denn es beginnt zu dämmern. Gleich, wenn Helmut eingetroffen ist, werden sie sich auf den Weg machen. „Ich freu mich schon auf ihn. Er war so lange nicht mehr bei uns.“ flüstert Rene´. „Es wird ein aufregender Tag für Mesut und Kerim, dass kann ich dir sagen.“ Miguel lacht bei der Vorstellung. „Oh, ja! Selbst für uns ist es immer wieder aufregend.“ gibt Rene´ lachend zurück. „Welche Reise?“ fragt Mesut neugierig. Das Gequatsche der Beiden hat ihn geweckt. „Wo wollen wir hin? Wieder zur Erde? Besuchen wir wieder Fil?“ Mesut ist ganz aufgeregt, springt aus dem Bett und rennt zum Fenster, wo die Wellen schon hellblau leuchten. Völlig verdutzt schaut er darauf, denn er hat niemals zuvor ein Meer gesehen. Es ist schon fast hell, an diesem 4. Morgen. Kerim ist natürlich auch wach geworden und ruft; „Darf ich denn diesmal mit? Ich möchte auch mit zur Erde fliegen.“ Und läuft hinüber zu Mesut. Rene´ und Miguel müssen lachen. „Boah, sieh mal, Kerim. Hast du schon mal so etwas gesehen? Was ist das, Miguel?“ Rene´  und Miguel kommen zum Fenster rüber. „Das ist das Meer, Mesut.“ Er bückt sich zu ihm. „Unser Meer. Siehst du da unten?“

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meint er und zeigt mit dem Finger zum Strand. „Sieh, da ist unser Schiff vor Anker und Kaiko und Isabelle sind auch dort draußen.“ „Wahnsinn!“ ruft Mesut. „Wie kommt das hier her? Gehört das jetzt alles uns? Wie hast du das gemacht?“ will er aufgeregt wissen. Miguel stellt sich zwischen Mesut und Kerim und nimmt sie an die Hand. „Nur mit unserer Phantasie. Rene´ und ich haben dies alles für euch erschaffen. Damit es euch hier gefällt.“ „Das ist ja Wahnsinn.“ ruft Mesut erneut. „Ich hab´ dir doch heute Nacht schon erzählt, wie toll es hier ist.“ erinnert Kerim ihn voller Überzeugung. „Dürfen wir uns im Haus etwas umsehen?“ will er wissen und schaut hoch zu Miguel. Mesut schaut ihn genauso erwartungsvoll an, so dass Miguel wieder lachen muss. „Na, haut schon ab.“ meint er und die Beiden rennen sofort grölend zur Treppe. „Na, los! Zuerst nach oben!“ brüllt Mesut und sein Geschrei schallt durchs ganze Haus. Er läuft als Erster die Stufen hinauf und kommt zu dem Ast wo Bill und Angelina, das Eichhörnchenpärchen, gerade frühstücken. „Da hör´ ich doch unsere neuen Mitbewohner, Angelina.“ ruft Bill seiner Frau Nüsse knackend zu. Obwohl man es weniger rufen nennen kann. Es ist mehr ein Piepsen. „Guten morgen, ihr Zwei. Tut mir Leid, Kerim, dass ich dich Gestern nicht begrüßen konnte. Doch während der Fütterungszeit hält unser Nachwuchs uns ganz schön auf Trab.“ Die beiden Engelsschüler stehen genau unter ihnen und kichern vor Vergnügen. Natürlich sind ihnen noch niemals sprechende Eichhörnchen begegnet. Angelina sitzt neben ihrem Mann und hält eine angeknabberte Nuss zwischen ihren kleinen Krallen fest. „Guten Morgen, Angelina. Guten Morgen, Bill.“ Kichert Kerim verschmitzt. „Ihr habt Babys?“ will Mesut neugierig wissen. „Wo sind denn die?“ Er schaut sicht suchend im Baum um. Angelina zeigt mit ihrer winzigen Pfote nach oben, auf den nächsten Ast. „Dort oben.“ piepst sie stolz. „Sie sind in ihrem Nest. Kommt mit, ich zeig sie euch.“ fordert sie die Beiden auf, ihre Babys zu begutachten und flitzt auch schon den Baumstamm hinauf. Mesut und Kerim laufen die Treppe weiter hinauf und kommen zu dem kleinen Nest,
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direkt neben den Stufen. Drei kleine, flauschige Fellknäuel liegen ineinander gekuschelt und schlafen tief. Bill ist ihnen natürlich gefolgt. „Boah, sind die winzig.“ quietscht Kerim erstaunt. Mesut will sie mit den Fingerspitzen berühren, doch sofort ruft Bill; „Bitte, nicht berühren! Sie sind noch viel zu klein.“ Erschrocken zieht Mesut seine Hand wieder zurück. Und tatsächlich sieht er nun, dass die Babys noch kleiner sind, als seine Hände. „Wenn sie wach sind, dürft ihr gern mit ihnen spielen.“ entgegnet Angelina großzügig. Kerim kichert immer wieder, weil die Babys im Schlaf  piepsen und schnurren. „O.K.“ antwortet Mesut und steht auf. „Dann kommen wir wieder, wenn sie wach sind. Komm, Kerim.“ Kerim trennt sich nur widerwillig von den knuddeligen Vierbeinern und meint beleidigt; „Ich komm ja schon. Tschüss, ihr Beiden, bis später.“ Er rennt Mesut hinterher und meckert; „Wieso hast du´s immer so eilig?“ Er bekommt jedoch keine Antwort. In der zweiten Etage angekommen, folgt er Mesut in einen Raum, der rundherum aus dunklem Glas besteht. Das heißt, hier ist es wesentlich dunkeler, als im übrigem Haus. In der Mitte des Zimmers steht ein kleines Ding, was vielleicht ein Tisch oder so sein könnte, aber es hat keine Platte. Merkwürdig. Rundherum liegen Sitzkissen angeordnet. Mesut ist vor diesem Ding stehen geblieben und schaut sich das genauer an. „Was meinst du, Kerim? Ob dies das Wohnzimmer ist?“ Er greift mit einer Hand in dieses Ding, zuckt aber sofort wieder zurück. „Autsch!“ ruft er erschrocken und sieht sich seine Hand an, kann aber nichts feststellen. Mit gerunzelter Stirn sieht er nachdenklich zu Kerim. „Das war fast so, wie bei Anna´s Wohnzimmerfenster. Nur umgekehrt.“ flüstert er. Kerim sieht ihn fragend an, denn er weiß nicht wovon Mesut redet. „Welche Anna?“ will er wissen und mit dieser Frage fängt das Ding von Innen heraus zu leuchten an und verbreitet sich oberhalb des Dings. Wie durch ein Nebel wird das Leuchten klarer und fügt sich langsam zu einem Bild zusammen. „Wow! Sieh mal, Kerim! Da sind Miguel und ich, auf der Fensterbank von Anna´s Wohnzimmer.“ 
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Völlig verblüfft geht Mesut 2 Schritte zurück und fällt auf einer der Sitzkissen. Kerim bleibt wie angewurzelt und mit offenem Mund stehen. Er schaut hinauf auf das Bild, das sich ihnen zeigt, wobei es seine Größe weit übersteigt. „Da!“ ruft Mesut und zeigt auf das Bild. „Da sitzt David vor dem Fernseher und Fil sieht uns gerade und hüpft durch die Fensterscheibe und fällt Miguel um den Hals.“ „Oh, Miguel.“ hört man Fil rufen. „Genauso war´s gestern. Dass wollt ich dir erzählen.“ Kerim schaut Mesut ungläubig an. „Hast du gesehen, wie sie da durch gehüpft ist, als wäre gar nichts da?“ erzählt er aufgeregt. Kerim sieht es schon, doch traut er seinen Augen nicht wirklich. „Vielleicht war da keine Scheibe.“ behauptet Kerim und Mesut zieht beleidigt die Augenbrauen zusammen. Er zeigt wieder zum Bild. „Doch, guck doch. Da, siehst du? Ich versuche auch meinen Finger da durch zu bohren. Es wurde ganz heiß.“ erzählte er eifrig. Sie hören Miguel und Fil lachen und wie sie sagt; „Das liegt an den Molekülen. Du wirst dich dran gewöhnen.“ „Wow!“ Mesut staunt. Ihm ist gerade was klar geworden. Weißt du was? Ich glaube, mit dem Ding kann man alles sehen, was einmal passiert ist.“ meint er voll Überzeugung. „Cool!“ Kerim schaut ihn schon wieder skeptisch an. Ihm ist das zu hoch. Beide sehen, wie Miguel gerade durch Fil´s Haare wuschelt. Mesut überlegt wieder und fragt sich laut; „Ob man damit auch das Morgen sehen kann?“ „Oh, hier seid ihr beide.“ Mesut und Kerim schauen überrascht zur Tür, wo Miguel plötzlich aufgetaucht ist. „Ihr habt also schon herausgefunden, wie unser Visitor funktioniert. Das ist ja Klasse. Ihr seid wirklich schlau.“ Mesut und Kerim schauen zu, wie dad Bild sich vernebelt und der Lichtstrahl langsam verlöscht. „Oh!“ ruft Mesut traurig. „Wir wollten gerade gucken, ob das Ding auch Morgen zeigen kann.“ Miguel muss lachen. „Wollt ihr nicht erst mal wissen, was heute passiert?“ Kerim läuft aufgeregt zu Miguel und springt ihm auf den Arm. „Fliegen wir jetzt zu Fil? Ich hab´ sie gerade im Fernseher gesehen.“ fragt er Miguel. „Vielleicht haben wir später noch Zeit dazu, doch erst machen wir was ganz anderes Tolles.“
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antwortet Miguel und wuschelt ihm durchs Haar. „Was werden wir denn machen?“ will Mesut neugierig wissen und geht zu Miguel. „Erst mal möchte ich euch einen guten Freund vorstellen,
der uns gleich besuchen wird und dann werden wir gemeinsam eine Reise machen. „Wohin denn?“ kann Mesut das Fragen nicht lassen und läuft zum Fenster, um aufs Meer zu schauen. „Das soll eine Überraschung werden.“ antwortet Miguel geheimnisvoll. „Kommt, wir gehen zum Strand runter. Dort werden wir Helmut treffen.“ fordert er die Beiden auf. Kerim springt von seinem Arm und hüpft aufgeregt zur Treppe. „Oh, ja! Wir gehen zum Strand.“ ruft er. Mesut kommt ihnen langsam nach. „Ist er auch Engel, so wie wir?“ fragt er Miguel, der sich zu ihm umdreht und Mesut überraschend hoch nimmt und über seine Schulter legt. „OH, ja. Das ist er, in der Tat. Sogar ein ganz berühmter Engel, so wie ich es auch einmal sein möchte.“ „Was macht ihn denn so berühmt?“ fragt Mesut wieder, der mit dem Kopf nach unten baumelt und Miguel mit ihm die Wendeltreppe hinunter läuft. „Er beschützt die Menschen in ihrem Auto, wenn sie Schwierigkeiten haben.“ „Du meinst, wenn sie einen Unfall bauen? Wow, was macht er denn dann? Hält er das Auto einfach fest, dass es nicht kaputt geht?“ Miguel muss wieder lachen. „Du stellst so viele Fragen.“ Kerim hüpft einige Stufen vor ihnen hinunter, jedoch als er auf der Letzten ist, bleibt er wie angewurzelt stehen und schaut mit großen Augen zu Miguel hoch. Der lässt Mesut nun von seiner Schulter und stellt ihn ebenfalls auf die letzte Stufe. „Wow!“ kann Mesut nur sagen. „Das sieht ja gewaltig aus. Ist das der See, in dem wir gestern gebadet haben? Können wir da rein fallen?“ Er meint die Lagune, die nun, im Tageslicht in vielen Blautönen leuchtet. Selbst jetzt, da die Sonne noch nicht mal den Wolkenrand erreicht hat, strahlt sie schon im schönsten Türkis, was die Zwei jemals gesehen haben. Sie haben das Gefühl, wenn sie nun die Stufe verlassen, fallen sie direkt hinein, in diesen tiefen See. Der Glasboden dazwischen schimmert leicht im Licht. „Hast du wieder Angst, Kerim?“ will Miguel wissen.
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Kerim schaut ihn mit großen Augen an und nickt. „Komm her, mein Kleiner.“ meint er, greift ihn unter die Arme und schwingt ihn hoch, so dass Kerim auf seine Schultern sitzen kann. „Wie sieht’s mit dir aus, großer Häuptling? Traust du dich, bis zur Tür zu gehen?“ will er von Mesut wissen. „Kannst aber auch fliegen, wenn du willst.“ Stolz darauf, dass Miguel ihn großer Häuptling nennt, drückt Mesut seinen Rücken durch, um sich größer zu machen und grinst Miguel an. „Na klar, trau ich mich. Was denkst du?“ Er springt mutig auf den Glasboden und hüpft darauf herum. „Wow! Das ist ja ein komisches Gefühl. Toll!“ kichert er dabei. Miguel betritt nun auch den Boden und dabei öffnen sich die zwei Flügel der Glastüre. Doch dass bemerken die beiden nicht, denn sie starren noch immer zur Lagune hinunter. „Gestern Abend war es noch nicht so tief, meine ich.“ flüstert Kerim Miguel ängstlich ins Ohr. „Bist du sicher?“ flüstert Miguel zurück. „Meinst du, es ist über Nacht noch tiefer geworden?“ Kerim verzieht komisch sein Gesicht, während er nachdenkt. „Geht das denn?“ will er leise wissen. „Ich glaube nicht.“ flüstert Miguel wieder und verlässt durch den Eingang das Haus. Mesut hüpft ihnen hinterher. „Du bist wirklich ein Angsthase.“ zieht Mesut ihn lachend auf. Sie gehen nun den Abhang hinunter, den Kerim von gestern schon kennt. Rechts und links von ihnen ist eine hügelige, mit Blumen übersäte Wiese, soweit das Auge reicht, mit verstreut stehenden Bäumen, die bis in den Himmel hinein gewachsen sind. „Man, ist das Alles groß hier. Ich kann ja gar nicht glauben, dass wir hier im Himmel sind.“ staunt Mesut, während er neben Miguel herum hüpft. Sie gehen den Weg hinunter zum Strand, sehen vor sich das Meer und hören dabei die Wellen deutlich rauschen. Kerim erzählt Mesut aufgeregt von den fleißigen Ameisen, die sie gestern gesehen haben. „Weißt du, dass wir noch nie ein Meer gesehen haben, Miguel?“ plappert Mesut fröhlich vor sich hin. „Weißt du dass bestimmt?“ will Miguel von ihm wissen. „Doch, ich glaube schon. Sonst könnten wir uns doch erinnern, oder meinst du nicht?“ antwortet Mesut, ohne jeden Zweifel.
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„Ich kann mich auch nicht erinnern, dass wir schon mal am Meer waren.“ bestätigt Kerim ihn. „Das wüssten wir ganz bestimmt.“ Kerim hebt seinen Arm. „Seht mal, da unten ist Rene´ am Strand.“ Mesut erhebt sich mit seinen Flügeln einen Meter vom Boden, um mehr sehen zu können und stellt dann fest; „Ich flieg´ mal zu ihnen rüber.“ Um seine Neugier zu stillen und  macht sich etwas ungelenk davon. „Das ist o.k., Häuptling.“ ruft Miguel ihm nach und zu Kerim gewand sagt er; „Dein Bruder ist ein sehr ungeduldiger Bursche, muss ich feststellen.“„Oh ja. Das kann man wohl sagen.“ bestätigt Kerim wohl wissend. Mesut fliegt auf wackeligen Flügeln hinunter zum Strand. Er ist neugierig auf den Gast und die Überraschung, die Miguel ihnen versprochen hat. Vielleicht kann er schon mal was raus kriegen. Helmut spaziert mit Rene´, Arm in Arm an der Brandung entlang und sie unterhalten sich. Natürlich wissen sie längst, das Mesut ihnen nach spioniert, lassen sich jedoch nichts anmerken und reden über belangloses Zeug. Helmut ist ein imposanter Engel. Genauso wie Josh, der ihn jedoch nicht begleitet hat. Josh hat die Auszeit genutzt, um seine Engelsverwandten zu besuchen. Beide sind groß und schlank gewachsen. Wobei Josh´s schwarzes Haar wie beim Militär kurz geschoren ist, während Helmut´s Haar mittelblond und gelockt über seine Stirn fällt. Sein braungebranntes Gesicht lässt seine blauen Augen noch strahlender wirken, wie die von Mesut. Er sieht sehnsüchtig übers Meer, dass er so gut kennt, wie seine Westentasche, wenn er eine hätte. Plötzlich rennen sie, wie abgesprochen los, um Mesut abzuschütteln. Was ihnen auch gelingt, denn Mesut ist so verblüfft, dass er vergisst, weiter mit seinen Flügeln zu schlagen und fällt mit einem „Aaahhh…!“ wie ein Stein in den Sand. Die Beiden drehen sich um und können sich das Lachen nicht verkneifen, weil Mesut so verdutzt guckt. Rene´ läuft lachend zu ihm zurück und zieht ihn wieder auf die Füße. „Du wolltest uns doch nicht etwa erschrecken, oder?“ meint sie und kitzelt ihn in den Seiten, so dass er kichernd wieder in den Sand fällt.
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Immer noch kitzelnd bückt sie sich über ihn und ruft lachend; „Du hast auch nur Unsinn im Kopf, du verrückter Taugenichts, du. Wolltest uns erschrecken? Reingefallen!  Diesmal haben wir dich erschreckt.“ Während Rene´ mit Mesut im Sand herum tollt, schlendert Miguel mit Kerim auf den Schultern zu Helmut. „Na, wenn das kein Weltwunder ist, dass du mal Zeit für uns hast. Endlich sehen wir dich mal wieder. Wie lange ist dass schon her?“ ruft Miguel erfreut und lässt Kerim von seinen Schultern herunter. Freudig lachend fallen die Beiden sich brüderlich in die Arme. „Du weißt doch.“ antwortet Helmut lachend. „Wir haben immer viel zu tun.“ „Ja, dass kann man wohl sagen, ihr Superhelden. Ich freu mich so, dich zu sehen.“ entgegnet Miguel und klopft ihnen auf die Schulter. „Wie geht’s denn Josh?“ will er wissen. „Ihm geht’s ganz gut, wenn man bedenkt, wie unausstehlich ich in den letzten Tagen war.“ antwortet Helmut mit einem zwiespältigem Lächeln. „Na, dass wird sich gleich ändern.“ meint Miguel gutgelaunt. Immer noch Arm in Arm drehen sie sich zu den anderen um. „Mesut! Kerim! Das ist unser guter Freund, Helmut. Er ist extra her gekommen, um euch endlich kennen zu lernen.“ Rene´ zieht Mesut aus dem Sand und nimmt ihn und Kerim an die Hand. Beide begrüßen Helmut mit einem „Hallo“, wobei Mesut das Wort „Superhelden“ vorher natürlich nicht überhört hat und hakt auch gleich nach. „Wie bist du denn ein Superheld geworden?“ will er neugierig wissen. Miguel antwortet für Helmut. „Na, zum Beispiel, wenn man tausende von Unfällen verhindert, dann wird man ein Superheld.“ Und klopft Helmut bewundernd auf die Schulter. „Nun übertreib mal nicht, Miguel.“ widerspricht Helmut lächelnd, aber stolz und bückt sich hinunter zu den beiden Kleinengeln. „Hallo, Mesut. Hallo, Kerim. Ich habe auch schon viel von euch gehört.“ Spricht er die Beiden lächelnd an und wuschelt ihnen durchs Haar. „Mir ist auch schon zu Ohren gekommen, dass ihr Zwei unbedingt Superhelden werden wollt, stimmt das? Ganz besonders du, Mesut. Nicht wahr?“ Mesut sieht in Helmuts strahlend blaue Augen und
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er bekommt wieder dieses komische Gefühl im Kopf, so als wenn ihm Stimmen zu flüstern. Er lacht übermütig und meint diplomatisch; „Dann kannst du mir bestimmt viel erzählen, wie dass funktioniert, nicht wahr?“ Die Großengel lachen und Miguel nimmt Kerim wieder auf die Schultern. „Kerim hat noch etwas Flugangst, deshalb wird es mit dem „Superheld werden“ bei ihm noch etwas warten müssen.“ erzählt Miguel und alle schlendern nun gemütlich den Strand entlang. „Ja, aber nur noch ein kleines Bisschen.“ antwortet Kerim schüchtern. „Aber Mesut hat Angst vor der Dunkelheit.“ will er nicht vergessen zu erwähnen. „Oh, ja.“ erinnert Rene´ sich und lacht dabei. „Als Kleinengel hatten wir, glaube ich, alle unsere ganz bestimmten Ängste. Ich hatte zum Beispiel immer Angst vor tiefem Wasser, während Miguel sehr lange Flugangst hatte, so wie du, Kerim.“ während sie spricht, bleibt sie vor Kerim stehen und tippt ihm mit dem ausgestreckten Finger auf die kleine Brust. Kerim sieht überrascht zu Miguel herunter. „Du hattest Flugangst?“ „Oh, ja.“ antwortet Miguel. „So wahr ich hier stehe. Und ich war nicht so klein, wie ihr es seid, Mesut und Kerim. Denn Kleinengel heißt nicht, dass man klein sein muss, um Angst zu haben. Ich war schon so groß, wie ich es jetzt bin und trotzdem hatte ich Angst vor dem Fliegen.“ „Und ich hatte immer Angst im Dunkeln, so wie du, Mesut.“ schließt Helmut sich den Bekenntnissen an. Er sieht zu Mesut herüber, der die ganze Zeit an Rene´s Seite herumgehüpft ist und nun zu ihm hüpft. „Ist das wahr? Dann ist es gar nicht schlimm, wenn man Angst hat?“ will er von Helmut wissen und nimmt nun seine Hand. „Oh, ganz und gar nicht. Es zeigt einem nur, dass man gewisse Dinge noch nicht richtig beherrscht und deshalb vorsichtig sein muss. Dass ist alles.“ antwortet Helmut ihm. „Also wisst ihr nun, dass es gar nicht schlimm ist, Angst zu haben.“ bestätigt Miguel, bleibt stehen und sieht in den Himmel hinauf.

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meleyim2 am 27.4.09 09:33


Kapitel 25 -Der erste Unterricht

Kapitel 25

Der erste Unterricht !

„Dann werden wir mal gleich unsere Ängste auf die Probe stellen.“ fügt Miguel hinzu und die anderen Großengel tun es ihm gleich. Mesut und Kerim sind verwirrt und schauen sich fragend an. Diesmal fragt Kerim zu erst. „Was ist denn? Was machen wir jetzt?“ und Mesut; „Kommt jetzt die Überraschung?“ fragt er und schaut mit seinen großen Augen zu Helmut auf. Miguel nimmt Kerim nun von seinen Schultern und zieht ihn und Mesut zu sich heran, während er sich herunter bückt. Sehr ernst schaut er ihnen in die Augen, als er ihnen erklärt; „Wir werden jetzt eine Reise machen, die nicht ungefährlich wird.“ fängt er an und die beiden Kleinengel schauen ihn erschrocken an. „Ihr müsst uns unbedingt versprechen, dass ihr auf keinen Fall unsere Hand los lasst, egal was passiert. Dass ist sehr wichtig, sonst könntet ihr verloren gehen und wir finden euch nicht wieder. Ist das klar?“ Mit dieser Eindringlichkeit hat Miguel bis jetzt noch nie zu ihnen gesprochen und es macht sie etwas ängstlich. Die Beiden merken, dass dies sehr wichtig ist. „Nein, nein! Wir halten uns ganz doll fest, nicht Mesut?“ flüstert Kerim leise und Mesut bestätigt; „Oh, ja. Dass werden wir.“ Unsere Reise wird ungefähr so sein wie, als wir von diesem Schuldach zur Wolke geflogen sind. Wisst ihr noch?“ Beide nicken nur mit großen Augen den Kopf. Sie können sich noch sehr gut daran erinnern. „Nur diesmal wird es etwas länger dauern. Das heißt, es wird auch anstrengender sein. Meint ihr, dass ihr das schafft?“ fragt er sie eindringlich und sieht ganz besonders Mesut dabei an. „Du musst dass sehr ernst nehmen, Mesut, sonst kann es wirklich gefährlich werden.“ Mesut ist ganz erstarrt und schluckt einen Kloß herunter. „Das werde ich.“ flüstert er beeindruckt. Miguel steht auf und lässt die Beiden los, so dass Mesut sich schnell wieder aus seiner Anspannung löst. Die Großengel schauen wieder in den Himmel. „Du machst es ja so spannend.
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Wo fliegen wir denn hin?“ will Mesut von Miguel wissen. „Es wird spannend, dass kann ich euch versprechen.“ meint er nur. „Und jetzt reicht uns die Hand und haltet euch gut fest.“ Er nickt Helmut und Rene´ zu. „Also los!“ Sie bilden einen Kreis und fassen sich alle an die Hand, wobei Mesut zwischen Miguel und Helmut steht und Kerim zwischen Helmut und Rene´. Selbst Miguel und Rene´ halten sich fest an der Hand. Die Engelsschüler zappeln aufgeregt herum und schauen erwartungsvoll zu den Großengeln hoch, was geschieht. „Sind alle startklar?“ versichert sich Miguel und die Anderen nicken ihm zu. „Bei Drei geht’s los.“ Die Großengel zählen laut, während sie noch einmal ihren Handgriff verstärken und ihren Blick in den Himmel richten. Mit einem Satz schießen sie hinauf und verlassen ihre Heimatwolke. Stocksteif, wie zwei schwere Säcke, hängen Mesut und Kerim an ihren Händen und können ein Schreien nicht unterdrücken. Mit einem Affenzahn, wie sie es vom Schuldach kennen, schießen sie immer höher in den Himmel hinein. Sie sehen aus den Augenwinkeln wie die Wolken und die Erde unter ihnen immer kleiner und kleiner werden. Für die Kleinengel scheint eine Ewigkeit zu vergehen, denn sie wissen ja nicht, wohin es geht. Doch es dauert im Ganzen nur 60 oder 70 Sekunden bis sie die Erdatmosphäre verlassen und ins schwarze Weltall hineingleiten. Alles um sie herum hat sich verändert. Sie schweben schwerelos weiter, ohne ihre Flügel bewegen zu müssen und ihre Erscheinung, die von der Sonne auf Erden mit Farbe versehen wird, fehlt hier völlig. Ihre Energie lässt sie von innen heraus strahlen, wie Sterne die wir am nächtlichen Himmel sehen können. Wie riesige, glühende Taschenlampen in dunkler Nacht. >Wir können uns nun los lassen.< gibt Helmut ihnen zu verstehen, ohne das Worte seinen Mund verlassen, denn ohne den Widerstand der Atmosphäre, die auf Erden herrscht, erreichen auch die Kleinengel die Gedanken der Großen. „Wow! Das ist ja Wahnsinn!“ ruft Mesut und alle erschrecken fürchterlich von der Wucht seiner gesprochenen Worte, die das ganze Weltall erschüttern, wie ein Donnerschall.
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>Auwei< denkt Mesut erschrocken und schaut zu den Großengeln. >Keine Worte hier oben. Dass habe ich vergessen zu erwähnen.<
gibt Miguel ihnen zu verstehen. >Das was ihr denkt, erreicht uns auch so.< meint er. >So wie euch unsere Gedanken erreichen. Merkt ihr das?< fügt Rene´ hinzu. Mesut schauen an sich herunter und fühlen sich wie eine riesige Leuchtreklame. >Mannomann! Das ist ja Wahnsinn!< denkt Kerim und schaut zu Mesut. >Hoffentlich können wir hier nicht runterfallen.< denkt er für sich. >Oh, nein! Dass werden wir nicht. Mach dir keine Sorgen.< gibt ihm Rene´ zu verstehen. >Wir sind nun wie leuchtende Luftballons und schweben immer weiter.< erklärt ihm Helmut. Dieses „Gedanken lesen können“ ist ganz verwirrend für die zwei Kleinen und sie müssen sich noch daran gewöhnen. >Ist es bei uns jetzt genauso, wie bei euch Großengeln unten?< will Mesut wissen. >Genauso spielt sich dass ab. Jetzt könnt ihr euch dass vorstellen, nicht wahr?< meint Miguel. >Und warum können wir dass unten nicht, so wie ihr?< bohrt er weiter. >Weil ihr erst noch lernen müsst mit euren neuen Fähigkeiten umzugehen. Es ist die Atmosphäre, die eure Kraft noch behindert.< meldet sich Helmut und während sie so weiter kommunizieren, schweben sie langsam höher, ihrem Ziel entgegen. >Und warum leuchten wir so grell?< will Kerim nun wissen. >Dies ist unsere Energie und weil es hier oben so schwarz ist, ohne die Sonne, deshalb leuchten wir wie Sterne.<  erklärt Miguel ihnen. >Wow!< denken die Kleinengel. >Und jetzt, wo wir so leuchten,< fügt Rene´ dazwischen und weist mit ihrer Hand Richtung Erde, >sieht man uns sogar dort unten. Wir sind es, was die Menschen Sterne nennen, jedoch sehen sie uns nur bei Nacht, wenn es dunkel ist.< Beide sind fasziniert von dieser Vorstellung, aber Mesut denkt auch schon weiter. >Dass heißt, wenn die Menschen Nachts am Himmel Sterne sehen, dann sind wir dass? Also sind hier oben nicht nur wir, sondern auch andere Engel?< >Oh, ja!< meldet sich Helmut. >Dies sind all die Engel, die ihre Schutzengelsfunktion schon hinter sich haben und sich hier oben in den Ruhestand begeben haben.< Mesut überlegt:
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 >Warum dass? Wollen sie keine Schutzengel mehr sein?< >Oh doch, dass haben sie getan. Sie waren Engelschüler so wie ihr, dann haben sie Kleinengel ausgebildet und sind berühmte Schutzengel geworden. Sie haben die gleiche Entwicklung gemacht, wie wir es tun und nach einer Ewigkeit ziehen sie sich hier hin zurück und genießen ihren Ruhestand.< >Jedoch sind sie immer auf dem Laufenden und wissen, was wir tun. Sie sind immer bei uns.< fügt Rene´ hinzu. Während sie sich „unterhalten“, wollen wir es mal so nennen, gleiten sie langsam weiter in Richtung des Satelliten. >Dass mit den Sternen hab´ ich jetzt kapiert.< denkt Mesut. >Wir sind also dass, was die Menschen Sterne nennen… aber was ist dass mit der Energie? Das kapiere ich nicht.< >Was ist Energie?< wirft Kerim jetzt ein. >Energie ist die Kraft die wir besitzen. Unser Bewusstsein, mit der wir alles tun können, was wir uns vorstellen.< >Du meinst, wie Ritterburgen bauen?< will Kerim wissen. >Ja. Genau so.< bestätigt ihm Helmut. >Weißt du, dadurch dass wir keinen Körper mehr haben, wie die Menschen unten auf der Erde, ist unsere Energie, unser Bewusstsein viel stärker und damit können wir alles möglich machen, was wir nur wollen.< >So wie fliegen, zaubern und Gedanken lesen?< meint Mesut. >Ja, so ist es!< >Können uns deshalb die Menschen nicht sehen? Weil wir keinen Körper haben?< schließt Kerim daraus. >Das ist richtig. Und deshalb glauben die Menschen nicht an uns, weil sie uns nicht sehen können.< antwortet Miguel ihm. Sie kommen jetzt in die Nähe des Satelliten. Er schwebt in voller Größe vor ihnen und ein leichter Lichtschein strahlt an ihnen vorbei, hinunter zur Erde. >Und weil sie nicht wissen, dass wir da sind, können sie auch nicht wissen, wie gefährlich für uns diese Dinger hier sind.< erklärt Helmut und zeigt auf den Satelliten. >Diese Strahlungen, die von ihm ausgehen, sind für bis jetzt die einzige Gefahr in diesem Universum.< >Aber wieso? Es sieht ganz harmlos aus.> will Mesut wissen. >Oh ja, dass dachten wir anfangs auch, doch als immer wieder Engel verschwanden, mussten wir leider feststellen,
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dass sie von diesen Strahlen vernichtet wurden.< erklärte Rene´ tief erschüttert. Sie kann sich noch sehr gut an den großen Aufruhr erinnern, der damals in der Engelswelt stattfand. >Wisst ihr, jeder einzelne Engel ist von unschätzbarem Wert und es waren große Verluste, die wir erleiden mussten. Schnell merkten wir, dass wir diesen Strahlen einfach nur aus dem Weg gehen mussten und wir entwickelten ein Gespür, wo sie sich befinden. Und dies ist es, was ihr jetzt schnellstens lernen müsst.< erklärt Rene´ sehr eindringlich, doch natürlich konnten die zwei Kleinengel sich nichts darunter vorstellen. Helmut weist mit seiner Hand auf den Lauf der Strahlung und alle folgen ihm. >Diese Strahlung hat die Aufgabe, Informationen von der Erde zum Satelliten zu senden und sie auszuwerten. Man sieht sie nicht, aber sie sind da. Wir sehen nur die Strahlung. Ihr könnt euch das vorstellen, wie bei einem Puzzle.< Mesut und Kerim hören aufmerksam zu. >Ein Puzzle besteht aus lauter kleinen Teilen, dass wisst ihr doch, nicht wahr?< Sie nicken beide mit dem Kopf und sind ganz ernst bei der Sache. >O.K. und diese Teile sind zusammengefügt ein großes Bild, stimmt das?< will Helmut wissen und beide nicken wieder. >Wenn man sie auseinander bricht, sind es nur noch kleine Stückchen, die in eine Box passen und dass heißt, man kann sie so verkleinern.< Er weist wieder auf den Lichtschein. >Und diese Strahlung sorgt dafür, dass Bilder ganz klein gestückelt werden und so in diese Box, in den Satelliten gelangen.< Er zeigt zum Satelliten und die beiden folgen ihm. >Aber warum machen die so was?< will Mesut wissen, denn er versteht es noch nicht. >Diese Bilderstücke sind für die Menschen die Informationen, die sie auswerten um zu sehen, was auf der Erde geschieht. >Soll dass heißen, die Strahlen sind die kleinen Bilderstücke und der Satellit setzt sie wieder zusammen?< versucht Mesut sich dies vorzustellen. >Beinah.< meint Rene´. >Aber nicht die Strahlen sind die Puzzleteile, sondern in der Strahlung drin sind Millionen kleine Teilchen, die wir nicht sehen können, weil sie so klitze, klitze klein sind. Versteht ihr?< will sie wissen.
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>Aber wie kann denn der Satellit die kleinen Teile sehen?< fragt Mesut. Unverhofft hat Kerim eine Idee. >Hat er vielleicht eine Brille, so wie Oma, wenn sie etwas nicht lesen kann?< Die Großengel müssen so plötzlich lachen, dass das ganze Universum wie bei einem Erdbeben erzittert, bis ihnen schnell wieder bewusst wird, wo sie sich befinden. >Genau so ist es. Du hast dass ganz richtig erfasst.< entgegnet ihm Helmut, natürlich wieder ohne Worte und wuschelt ihm übers Haar. Helmut muss sich zusammenreißen, um nicht an seine große Schwester denken zu müssen und wie viel Zeit eigentlich seit damals vergangen ist, denn für ihn ist es, als war es gestern. Seine Nichte, Maggi, war erst 5 Jahre und wusste gar nicht, dass sie ihren Onkel nie wieder sehen würde. Helmut wird wieder ernst und Rene´ lenkt schnell die Aufmerksamkeit auf sich; >Nun kommt der ganz wichtige Teil, passt auf! < Sie weist jetzt wieder zu den Strahlen des Satelliten und erklärt; >Ihr wisst nun, dass die Strahlen winzig kleine Stücke aus Bildern machen kann, wie bei einem Puzzle. Und genau dass, ist das gefährliche für uns. Das würde sie nämlich auch mit uns machen, wenn wir dort hinein geraten.< Erschrocken schauen Mesut und Kerim zu ihr. Damit haben sie jetzt nicht gerechnet. Miguel zieht ein kleines Gefäß aus seiner Hosentasche, in denen sich einige Eintagsfliegen befinden, die auch in dieser Umgebung schwach leuchten. Die Kleinengel schauen sich die kleinen Kreaturen an und Kerim fragt ängstlich; >Was hast du jetzt mit ihnen vor?< Miguel lässt sie heraus und die Fliegen bewegen sich sofort auf die Strahlung zu, weil es sie magisch anzieht. >Wir müssen euch das leider demonstrieren, weil ihr es sonst nicht verstehen könnt. Schaut genau hin, was passiert.> fordert Miguel sie auf. Die beiden sehen wie die Fliegen in die Strahlung eintauchen, mit einem Zischen explodieren und verschwinden. „Oh mein!“ rufen beide erschüttert, wie aus einem Mund und wieder erzittert das Weltall. >Warum hast du das gemacht?< denkt Mesut  und sieht Miguel böse an. >Reg´ dich nicht auf.< versucht Helmut ihn zu beschwichtigen. >Sie wissen es nicht besser.
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Die Strahlung zieht sie magisch an und nur die, die wir einsperren können wir davor bewahren. Sie kapieren einfach nicht, dass sie nicht hinein fliegen dürfen.< >Doch ihr habt es jetzt kapiert, nicht wahr?< fragt Helmut eindringlich. >Ihr müsst ständig auf der Hut sein, dass euch diese Strahlung nicht erwischt. Denn dass wäre euer Ende.< >Und deshalb dürft ihr auch nirgends allein hinfliegen, solange ihr diese Gefahr noch nicht erkennen könnt.< weißt Miguel sie an. >Würden wir denn genauso platzen, wie die Fliegen?< fragt Kerim ängstlich. >Wir alle würden genauso platzen!< entgegnet Rene´ etwas zu schroff und schnell fügt sie sanft hinzu; >In einiger Zeit werdet ihr ein Gefühl dafür bekommen, wo sich die Gefahr befindet, so wie die anderen Kleinengel und dann könnt ihr überall hin, wo ihr nur wollt, auch allein.< Rene´ schaut die beiden liebevoll an und weiß, dass sie es begriffen haben. >Wie können wir es denn merken?< fragt Mesut jetzt schüchtern. Miguel nimmt die beiden Kleinengel an die Hand und fliegt mit ihnen ganz vorsichtig  in Richtung der Strahlung. Umso näher die Drei der Strahlung kommen, umso mehr hören sie ein leichtes Surren, wie es auf der Erde bei einem Hochspannungsmast geschieht. >Hört ihr das jetzt?< will Miguel wissen und entfernt sich wieder von der Strahlung. >Oh ja!< entgegnen beide und sehen ängstlich auf die Strahlen. >Aber wir sind so nah dran und das Surren ist so leise.< meint Mesut beunruhigt. Miguel lächelt sie beruhigend an und meint; >Sehr bald werdet ihr dieses Surren immer lauter hören können und das wird euch helfen, dass ihr nicht in Gefahr kommt.< Miguel bewegt sich nun so, als wenn er auf dem Rücken schwimmt, um so von den Strahlen wieder weg zu kommen und zieht die Zwei mit sich. >Aber zuhause ist es sicher?< hakt Kerim noch mal nach. >Oh ja! Bombensicher!< entgegnet Rene´ von hinten. >Genauso wie an vielen anderen Orten, an denen wir uns immer wieder treffen.< fügt Helmut noch hinzu. Alle Fünf machen sich nun wieder auf den Weg zurück, während Mesut und Kerim noch viele Fragen einfallen. >Auch auf der „Zauberhut-Wolke“?< >Ja, dort ganz besonders.< entgegnet Rene´.
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>Oder meinst du, wir würden euch in Gefahr bringen?<
Bald erreichen sie den Rand der Atmosphäre und als sie hindurchschlüpfen, spüren sie sofort wieder den Druck und den Widerstand der Luft, der sie wie in einen engen Gummianzug hineinpresst. Dieses Gefühl war ihnen vorher nie bewusst gewesen. Nun können die zwei Kleinengel auch nicht mehr die Gedanken der anderen hören, oder vielmehr spüren und so müssen sie sich wieder anschreien, um gegen den Wind hier oben anzukommen. Doch die Großengel halten sie fest bei der Hand und fliegen mit ihnen ganz gemütlich hinunter.

Weiteres folgt…

meleyim2 am 27.4.09 09:20


Kurze Begegnung früh morgens um 8

" Kurze Begegnung, früh morgens um 8."

 

Kleine Auspark-Geschichte, oder
“Wer war zuerst, die Schnecke oder ich.“

 

 

 

Mein Weg führt mich über den Baumarkt Parkplatz, in meiner Stadt, (Namen werden nicht genannt, um Schleichwerbung zu vermeiden) mit dem Ziel, meine große Tochter zu besuchen. Dieser Weg hat sich für mich als Abkürzung heraus gestellt, im Verhältnis zur langen Umgehungsstrasse, die mir ansonsten bevor steht. Der Parkplatz ist zu dieser Zeit noch relativ unbesetzt und daher gut zu überblicken.

 

 Doch kaum hatte ich ihn betreten, steigen 2 junge Arbeitskollegen in ihren winzigen Lieferwagen (keine Namen), kurz bevor ich sie passieren kann.  Der jüngere Fahrer, mittlerer Größe, lächelt mich sonnen strahlend, durch das Beifahrerfenster entgegen, was bedeuten könnte;
> Du bist meine erste gute Tat an diesem Morgen. Bin ich nicht zauberhaft? <
    Und winkt mir zu, doch vorbei zu gehen. Ich, meinerseits guter Dinge,
    grinse lieblich zurück und rufe ihm, durch das halb geöffnete Fenster, ein;
 "Ich schätze, sie sind schneller als ich," herüber,
mache dazu die passende Handbewegung und warte darauf, dass er heraus fährt.

 

Mit immer noch honigsüßem Lächeln legt er den Rückwärtsgang ein. Mir bleibt nichts anderes übrig als zu beobachten, wie er genüsslich im Schneckentempo aus der Parklücke schleicht. Mein Grinsen will nicht von meinem Gesicht weichen, während sich in meinem Kopf diese Kurzgeschichte zusammen braut und die Frage, ob dies ihr offizielles Arbeitstempo ist? Als er dann tatsächlich halbwegs an mir vorbei ist, nutze ich meine Chance, mache mit meinem voll beladenen Doppelschlepper, Namens Kinderwagen, in dem meine 2  jährigen Zwillinge vor sich hin hüpfen, eine schnittige  Ausweichbewegung  und ziehe rechts an seiner Vorderseite vorbei.

 

 Mein kleiner Sonnenschein hat in der Zeit seine Reise  des Ausparkens abgeschlossen und lächelt noch immer dahin schmelzend, während er  den Gang neu einlegt,  um dann tatsächlich und endgültig mein Blickfeld zu verlassen.
meleyim2 am 23.4.09 11:53


Zu Besuch bei unseren Freunden

Diese kleine Geschichte schrieb ich im Sommer 2006,
für die „Wolpertinger-Kinder“,
um eine Erinnerung an
„Meine Jungs“
 zu hinterlassen!


„Zu Besuch
bei unseren
Freunden !“

Hallo!
Wisst ihr noch, wer wir sind ?
Mesut & Kerim, eure Freunde !
Wir möchten euch gern einladen,
uns zu besuchen !

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Dazu müsst ihr in den Garten gehen
und euch auf die Wiese legen !
Und jetzt schaut ihr nach Oben,
gaaanz weit in den Himmel !

-2-
Seht ihr auch die Vögel,
die dort Oben fliegen ?
Seht sie euch ganz genau an
und jetzt stellt euch vor,
ihr könnt auf ihren Rücken sitzen
und mitfliegen.
Haltet euch gut fest,
denn es wird eine weite Reise,
ins Unbekannte !

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Es wird eine Reise der Phantasie,
ihr fliegt auf dem Rücken des Vogels,
immer Höher und Höher,
in den strahlenden,
blauen Himmel hinauf.

-4-
Dort scheint auch die Sonne,
die euch warm ins Gesicht strahlt,
doch ihr müsst die Augen
zusammenkneifen,
weil sie so hell ist.

-5-
Euer Vogel fliegt ganz schnell,
mit seinen riesigen Flügeln
und wenn ihr runterschaut,
seht ihr kleine Häuser und Straßen
und euren Kindergarten.

-6-
Jetzt geht es noch Höher und
der Wind braust euch durch die Haare.
Die Häuser und Autos werden
immer kleiner. Kleiner noch,
als die Legohäuschen, die ihr
im Kindergarten baut.

-7-
Der Wind pustet so laut,
dass ihr von Unten gar nichts mehr
hören könnt.
Und plötzlich sind sie weg,
die Häuser und Autos und ihr begegnet
ein Schwarm Schwalben, die uns
Neuigkeiten gebracht haben.
Vor euch kommt nun eine Wolke.

-8-
Eine dicke, fette, weiße Wolke !
Da vorn rechts, seht ihr sie ?
Diese Wolke ist euer Ziel.
Kommt, wir sehen euch schon
und winken euch zu.
Hallo, ihr da vorn.
Könnt ihr uns auch sehen?

-9-
Wir warten auf euch und
sind sooo froh, dass ihr uns
endlich besucht.
Kommt, springt auf unsere Wolke !
Habt nur keine Angst,
wir werden euch beschützen !
Unser Zuhause ist eine riesengroße,
weiße Hüpfburg und wir können
hüpfen, lachen und Unsinn machen !

-10-
Kommt ! Wir hüpfen um die Wette
und legen uns an den Wolkenrand.
Seht nur ! Von hier Oben
kann man aaalles sehen.
Nur klitze
- klitze

klein
.

-11-
Wir sehen euch im Kindergarten
und wenn ihr spielt und rumtobt.
Wir sehen, wenn ihr bastelt oder singt.
Und wenn ihr euch weh tut und weint,
dann kommen ganz schnell die Vögel
zu uns geflogen und erzählen,
was passiert ist und
ob es euch wieder gut geht.
Also, seit immer vorsichtig !
Denn es macht uns sehr traurig,
wenn ihr verletzt seit.

Bald werden eure Eltern kommen
und möchten euch mit nach Hause nehmen,
deshalb könnt ihr nicht mehr lange bleiben.
Doch vergesst niiieeemals,
wir haben euch vom ganzen,
ganzen Herzen lieb
und werden immer bei euch sein !

-13-
Also ! Wenn ihr eine Wolke seht,
bleibt stehen und winkt uns zu !
Dann winken wir zurück
und freuen uns riesig,
dass ihr an uns denkt !

-14-
Nun müsst ihr eure Augen schließen
und wenn wir bis drei zählen,
seit ihr wieder Unten,
auf eure Wiese
1
2

-15-
3
Und bestellt allen Freunden
einen schönen Gruß,
von uns,
von
Mesut & Kerim

-16-
Wir winken euch zu
und werden immer
bei euch sein !

-17-
Ende

meleyim2 am 23.4.09 11:44


In einer anderen Welt

Diese Geschichte entstand, als wir mit unseren beiden Großen, Yvi & Marcel (damals waren sie 9 und 6 Jahre), im Jahr 1996, dass erste Mal mit dem Flugzeug verreist sind. Und zwar nach Kuschadasse, an die Westküste der Türkei, in der Nähe von Ismir.
„In
einer anderen
Welt“
Wann bist du das letzte Mal mit deiner Familie am Flughafen gewesen?
 Nur so zum Spaß! Vielleicht an einem schönen Sonntag, als die Sonne schien und ihr gar nichts Bestimmtes vorhattet, weil es eigentlich regnen sollte. Und ihr habt euch dann ganz kurzfristig für den Flughafen entschieden, weil ihr 1., schon lange nicht mehr da ward und 2., weil es für dich immer wieder neu aufregend ist. Also, seid ihr kurzerhand dort hin, um euch die Flugzeuge ganz aus der Nähe, nämlich von der Besucher-Tribüne anzusehen. Wie sie starten, wie sie landen, wie sie mit ihrem riesigen, gewaltigen Körper ihren Wendekreis ziehen, um an die Gangway anzudoggen. Du fragst dich jedes mal wieder, wie dieses tonnenschwere Stahlding in die Luft gehen kann. Wie viel Kraft die Turbinen dafür aufbringen müssen! Unglaublich, nicht wahr? Vielleicht bist du auch schon einmal mit einer Maschine geflogen. Erinnerst du dich? Zuerst bist du ganz aufgeregt, oder sogar ängstlich, weil du denkst, dass ja
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ausgerechnet deine Maschine abstürzen könnte.
 Du lässt dir aber um Gotteswillen nichts anmerken! Dann seid ihr endlich im Flughafen angekommen, du und deine Eltern,  habt euer Gepäck aufgegeben und nun sitzt ihr in der riesigen Abfertigungshalle und wartet. Du siehst um dich herum noch 100te von Menschen, die auch herum sitzen und warten, oder noch ihr Gepäck aufgegeben müssen und denkst: „Fliegen die etwa alle in unserer Maschine mit?“ Irgendwann kommt eine Lautsprecherdurchsage, die euch auffordert: „Flug 1712 startet in einigen Minuten. Bitte begeben Sie sich zu Gang 12B, wo unser Bodenpersonal Sie erwartet!“ Dann schnappt ihr hektisch eure Jacken und das Bordgepäck und lauft den breiten Flur entlang, der kennzeichnet, „zu Gang 12B“! Und es sieht wirklich so aus, als wenn alle Anderen auch dort hin müssen! Es wird langsam, aber
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sicher immer enger, vor lauter Menschen,
 so dass du schon Angst bekommst, deine Eltern zu verlieren. An Gang 12B endlich angekommen, müsst ihr euch in eine Schlange stellen, um die Tickets kontrollieren zu lassen, erst dann dürft ihr Gang 12B passieren. Du glaubst, dass ihr jetzt endlich zu eurem Flugzeug kommt, doch dieser Gang 12B ist ein langer, dünner Schlauch und du hast das Gefühl, als wenn ihr das Flugzeug nie mehr erreichen werdet, denn durch das Gedränge und Geschiebe kommt ihr nur sehr langsam vorwärts. Zwischendurch kannst du zufällig durch diese schmalen Seitenfenster blicken und siehst die riesige Maschine, die auf euch wartet. Am Ende von Gang 12B stehen lächelnd zwei Frauen vom Bodenpersonal, die dir ja schon angekündigt wurden. Sie weisen jeden von euch einen Platz zu und wünschen  dir einen angenehmen Flug. Endlich betrittst du, mit
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deiner Familie das Flugzeug!
 Du gehst durch diese kleine Einstiegs-Luke, die aussieht wie ein schwarzes Loch. Doch ihr müsst schon wieder durch einen Gang! Einen noch engeren, als den Letzten sogar! Er führt dich an vielen Reihen Sitzplätze rechts und links von dir, vorbei. Da gehst du durch, bis zur 16. Reihe. Du hast sie durchgezählt und sie ist nicht mal am Ende der Maschine, sondern noch in der Mitte. Sitz 64 D. Das ist dein Platz. Endlich habt ihrs geschafft! Deine Familie ist auch nicht verloren gegangen und du kannst dich setzen. Das war ein hartes Stück Arbeit!  „Papa, wie viele Leute passen denn hier rein?“ „ Ich glaube 500, oder so.“ Du schnallst dich an, in deinem langen, schmalen Sitz und kannst nur die Rückseite eines langen, schmalen Sitzes vor dir sehen. Doch, wenn du Glück hast und 64 D ist ein Fensterplatz, dann hast du neben dir eine kleine Luke, durch die du sehen kannst und vielleicht hast du einen Blick auf die Tragfläche
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des Flugzeugs, oder sogar auf die Turbine,
 die sich direkt darunter befindet, mit deren Hilfe die Maschine abheben wird. Langsam ist es ruhiger um dich herum und die Menschen haben alle ihren Platz gefunden. Jetzt kannst du hören, wie die Turbinen immer lauter werden und du spürst, wie diese gigantische Maschine sich in Bewegung setzt, Richtung Startbahn. Du bist ganz aufgeregt und siehst neben dir, dass deine Eltern genauso aufgeregt sind. Du siehst es daran, weil sie auf ihren Vordersitz starren und die Armlehnen umklammert halten, so wie du. „Du brauchst keine Angst zu haben, mein Schatz!“ Die Maschine hat die Startbahn erreicht und wird schneller. Du merkst es, weil du immer fester in den Sitz gepresst wirst. Du kannst dich überhaupt nicht bewegen und sitzt stocksteif in deinem Sitz. Das einzige was du kannst ist, dich an diese Lehnen festklammern. Alles um dich herum rappelt und macht einen ohrenbetäubenden Lärm. Du siehst nur auf deinen Vordersitz, hast das Gefühl, dass gleich alles
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auseinander bricht und spürst plötzlich,
 wie der Sitz nach hinten kippt und das Rappeln ist verschwunden. Das Flugzeug hat die Erde verlassen! Jetzt siehst du aus der Luke neben dir und die Erde kommt dir ganz schief vor und verschwindet immer mehr. Sobald sie nicht mehr zu sehen ist, bemerkst du die Wolken, die schnell näher kommen und du bekommst ein ganz komisches Gefühl in den Ohren, so als wenn sie mit Watte verstopft sind. Die Wolken werden immer gewaltiger, denn so nah hast du sie noch nie gesehen. Eigentlich haben sie dich nie wirklich interessiert, denn sie bringen nicht unbedingt was Gutes. Sie verstecken die Sonne hinter sich und sie sorgen dafür, dass du Zuhause bleiben musst, wenn es regnet. Doch jetzt! Diese riesiggroßen, gewaltigen Gebilde aus Nichts! Die so unheimlich auf dich zu kommen! Du hast das Gefühl, dass sie euch gleich verschlucken werden und ihr für immer verschwunden seid. Und sie kommen
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immer mehr auf dich zu und >blubb<, haben sie euch verschluckt. Du siehst nur noch dicken Nebel vor dir, so wie dicke, weiße Zuckerwatte. Du hast das Gefühl, dass du die Luft anhalten musst und dass der Nebel das Flugzeug zerquetschen will. Du klammerst dich fest an deinen Sitz, auf alle unangenehmen Überraschungen gefasst. Eine Hand kommt rüber auf deine. „ Ist alles in Ordnung, mein Schatz?“ Du siehst deine Mutter an und versuchst zu lächeln. „Mmh!“ Langsam wird der Nebel leichter und heller und du wirst auch etwas lockerer. Du siehst wie die Wolken immer leuchtender werden und >blubb<, seit ihr durch. >Puh!< Zeit, Luft zu holen. >Wow!< Sieh dir diesen Himmel an! Er strahlt so wahnsinnig blau, so ein blau hast du noch nie gesehen! Und unter euch, ein dicker, fetter, weißer Teppich, aus strahlend weißen, riesigen Wattebällen! Riesig und unendlich! So unendlich, wie ein Meer in einer anderen Welt! Du hast das Gefühl, als müsstest du sofort da hinaus und dich dort hinein stürzen, in dieses weiße Meer! Eintauchen, wie ein Delphin!
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Du fühlst dich so groß und dieses Flugzeug kommt dir plötzlich so winzig klein und eng vor. So eng, dass du am liebsten ausbrechen möchtest. Du hast das Gefühl, dass die Maschine jeden Moment platzen müsste, bei deiner Größe! Diese Welt hier oben ist so anders, so phantastisch, dass du gar nicht mehr nach unten willst! Doch sehr bald merkst du, wie das Flugzeug wieder absinkt und an Höhe verliert. Doch du willst noch nicht runter und am liebsten würdest du den Piloten anschreien: „Halt! Nicht wieder runter! Ich will hier oben bleiben!“ Du wirst ganz traurig, weil du weißt, dass das nicht geht und ihr sehr bald euer Ziel erreichen werdet. Und dann ist es vorbei! Das Flugzeug ist gelandet und ihr seid wieder auf der Erde! Du siehst noch zu, wie die Maschine langsam zur Abfertigungshalle rollt und an eine der Gangways an doggt. Doch irgendwie ist es nicht mehr interessant für dich. Es ist nicht mehr wichtig. Und jetzt, wo ihr wieder festen Boden unter den Füßen habt,                                                          
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,könnt ihr das Flugzeug verlassen, so wie ihr es betreten habt. Doch du gehst ganz langsam, so als hoffst du, dass der Pilot dich festhält und sagt: „Na, warte du mal, wir drehen noch `ne Runde!“ Doch er kommt nicht und deine Füße werden dich nach draußen tragen, so wie du es kennst. Deine Familie ist jetzt wieder ganz locker und quatscht fröhlich drauf los, weil sie froh sind, wieder unten zu sein. Dein Vater wuschelt dir durchs Haar. „Nah, bist du froh, dass wir endlich da sind?“ Doch du sagst gar nichts. Du bist nur traurig… doch dieses Gefühl, dass ganz weit da oben, über den Wolken, eine ganz andere Welt beginnt, in die du ganz kurz einmal eintauchen durftest, dieses Gefühl nimmst du mit! Ja, und plötzlich bist du doch nicht mehr traurig, denn es ist doch nicht mehr alles so, wie du es kennst! Du wirst ihr noch oft begegnen, diese andere Welt!
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Denn jetzt, wo du Sie kennst, wird Sie bei dir sein. In deinem Kopf, in deinen Träumen! Und dort wirst du dann frei sein. So wie du es dir gewünscht hast. Dort oben, in dem Flugzeug. Dieses kleine, winzige Ding. Dass dich daran gehindert hat, dort oben zu bleiben. Frei zu sein, wie ein Vogel! Wie ein Engel so frei! Du nimmst die Hand deines Vaters und siehst zu Ihm hoch. Papa, weißt du was? Ich werde Pilot!“
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meleyim2 am 23.4.09 11:12


- Vorwort -

Vorwort

Nun sagt uns die Einleitung ja schon ganz klar, worum es hier geht. Um Schutzengel. Oder Engel überhaupt. Um Übersinnliches. Übernatürliches. Eigentlich bezweckt dieser Glaube nur, dass wir darauf hoffen können, dass es nach unserem Leben, also bei unserem Tod noch irgendetwas gibt. Dass es noch weiter geht und der Tod nicht das Ende unseres Daseins ist. Es gibt viele Menschen die daran glauben, oder glauben möchten und die sich eine Welt der Engel ohne weiteres vorstellen können, wenn auch vielleicht in einer anderen Form, als es unsere Geschichte beschreibt. Jeder Mensch hat da wohl seine ganz eigene Vorstellung.

Aber es gibt mindestens genauso viele Menschen, die diesen Glauben als „Humbug“ abtun, weil eben jegliche Existenz eines Beweises fehlt, dass nach unserem Leben noch irgendetwas kommt. Nun, dies sind die Pessimisten unter uns, die nur an das glauben, was sie wirklich sehen, oder wissenschaftlich nachweisbar ist. Doch ganz ehrlich… sind nicht die schönsten Dinge, an die wir glauben unsichtbar?

Ist es denn ein Fehler, Hoffnung zu haben? Jeder Mensche besteht doch ein Leben lang aus Hoffnung und Wünschen. Sie erhalten uns am leben, wenn wir frustriert 8 Stunden in der Schule büffeln müssen, ohne zu wissen, ob die ganze Energie und Zeit, die wir darin investieren uns später irgendetwas bringt. Wenn wir tagein, tagaus 10 Stunden schwer arbeiten müssen, um unser Brot zu verdienen. Ein Jahr, wie das Andere. Ist es nicht die Hoffnung auf eine Beförderung, eine Lohnerhöhung oder eine andere Verbesserung der Lebensqualität, die uns einfach weiter machen lässt?

Pauken, Durchhalten, Weitermachen…

Hoffen, Wünschen, Glauben…

Ist dies nicht ein und das Selbe? Und hat es schon jemandem geschadet? Nun aber zu unserer Geschichte, die wie gesagt, eben nur eine Geschichte ist…

meleyim2 am 23.4.09 11:20


Ist es ein Traum?

Unsere Geschichte
erzählt nicht nur vom Himmel
und was sich dort oben abspielen mag,
sondern auch von hier unten, auf unserer Erde.
In unserer Welt.
Wo nichts mehr so zu sein scheint,
wie wir es kennen.
Zwei Welten, die sich zu vermischen scheinen und
doch, einander so sehr fremd sind,
wie sonst
,
wie wir es kennen !

Zwei Menschenkinder, Brüder sogar,
werden in den Himmel gerufen.
Ausgewählt, doch ungefragt,
um ihre Ausbildung als Engelsschüler anzutreten .
Wir können Sie nicht sehen.
Wir können Sie nicht hören.
Doch wenn uns etwas Schlimmes passiert und wir sind;
„Gerade mal wieder davon gekommen“,
sagen wir;
„ Da hast du aber Glück gehabt !“
Dann sind sie da !
Unsere Schutzengel !

Unsere zwei Engelskinder sind natürlich nicht allein.
Denn seit es Menschen gibt, seitdem gibt es auch Sie.
Und vielleicht, in ferner Zukunft,
wenn die Menschen aufgehört haben zu existieren,
vielleicht werden Sie unsere Welt regieren.
Vielleicht werden wir uns dort wieder sehen
und es wird so sein, wie sonst,
wie wir es kennen !

 Kapitel 1

Ist es ein Traum?

Stellt euch vor, wir blicken aus einem Dachfenster und es ist früh am Morgen. Wir öffnen das Fenster, an diesem ersten frühlingshaften Tag, hören wir die Vögel munter drauflos zwitschern und sich an den ersten Sonnenstrahlen des Jahres erfreuen. Ein immerwährender Kreislauf. Ein neues Jahr beginnt. Wir spüren dieses erwartungsvolle, erfrischende Gefühl, wenn ein neuer Tag erwacht. Wo die Sonne vorsichtig den Horizont erhellt und sie die Natur sauber und klar in ihren schönsten Farben erstrahlen lässt. Wir spüren den noch kühlen Wind, der leicht über unser Gesicht streicht und atmen tief den frischen Duft ein, der sich mit dem Morgentau auf Wiesen und Felder gebildet hat, um den Dunst des vergangenen Tages zu verscheuchen. Ein neuer Tag wird geboren. Sauber, rein und unschuldig, ganz so wie ein neugeborenes Kind. Wir blicken aus diesem Fenster, dass zu einem dreistöckigem Haus gehört, am Rande eines kleinen Stadtteils, angrenzend an einer Landstrasse, die seit einigen Jahrzehnten die umliegenden Ortschaften miteinander verbindet. Wir sind natürlich nicht die Ersten, die an diesem wunderschönen Morgen schon auf den Beinen sind, denn die Aktivitäten dort unten auf den Strassen und Wegen sind deutlich zu erkennen. Wir blicken hinunter und sehen wie Kinder fröhlich quatschend zur Schule schlendern. Wir sehen unseren Nachbarn, Herr Walter, der noch etwas verschlafen sein vierbeiniges Familienmitglied Gassi führen muss. Gegenüber fährt Frau König ihre schwarze Limousine aus der Garage, um die Zwillinge in den Kindergarten zu bringen. Herr Wagner, ein etwas älterer Herr, der seit einem Jahr allein lebt, weil seine Mutter mit 78 Jahren gestorben ist, geht wie jeden Morgen um die selbe Zeit, zur Tankstelle schräg gegenüber von uns,

um seine Morgenzeitung und sein tägliches Fläschchen Korn zu holen. Also, wie jeden Morgen, das selbe sich wiederholende Szenario und dass ist auch gut so…

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Doch halt! Etwas ist anders.
Plötzlich bemerken wir direkt neben uns, auf der Dachrinne, einen Falken. Ein wirklich ungewöhnliches Bild, dass uns geboten wird. Aus nächster Nähe und dass ohne Käfig, der ihn am wegfliegen hindern könnte, wie wir es normalerweise gewöhnt sind. Ganz furchtlos sitzt er da und schaut zu uns herüber. Wir beäugen ihn genauso vorsichtig, wie er es mit uns tut und bleiben ganz regungslos, um ihn nicht zu verschrecken. Vertraulich legt er seinen Kopf etwas zur Seite und wippt leicht auf und ab, so dass man es fast übersehen könnte.  Wir wagen kaum zu atmen und beobachten gespannt, was er vorhat.  Plötzlich kreischt er heftig, so dass wir zusammen zucken und wieder nickt er uns zu, so als wenn er sagen will; „Nun kommt schon endlich! Ich hab´ nicht ewig Zeit!“
Er duckt seinen schlanken Körper, öffnet die großen, flauschigen Flügel und springt vom Dach. Ohne zu wissen, was mit uns geschieht, sind wir plötzlich mit ihm in der Luft. Wir sind dabei, wie der Falke über die Straße fliegt. Über Dächer und Gärten, immer höher. Sein Flug wird schneller und wir fliegen dem Sonnenaufgang entgegen. Die Häuser und Autos, die wir unter uns lassen, sind jetzt so klein, wie Spielzeuge. Der Wind heult kräftig und kalt und die Geräusche von unten sind kaum noch zu hören.
Vor uns, am sonnenblauen Himmel, können wir in einiger Entfernung eine Wolke sehen und es scheint so, als wenn der Falke direkt darauf zusteuert. Sein Tempo und auch diese Höhe sind für uns natürlich ungewöhnlich beängstigend und obwohl wir davon ausgehen, dass dies alles nur ein Traum sein kann, umklammern wir krampfhaft seinen Hals. Als er diese Wolke erreicht, sehen wir nur noch weiße, flauschige Hügel, zum Greifen nah. Ein Meer aus weißen Wattebällchen.
Der Falke kreischt einmal, als will er uns etwas sagen und überquert ein zweites Mal die Wolke.
Jetzt fällt uns auf, dass dort unten etwas liegt. Beim Näher kommen hat es den Anschein, dass es zwei kleine Jungs sind, die friedlich auf der Wolke eingekuschelt schlafen. Wir blinzeln mehrmals mit den Augen. Oh, nein. Es muss ein Traum sein.
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Der Falke stößt wieder einen Schrei aus und verschwindet unterhalb der Wolke. Jedoch ohne uns. Zu unserer Überraschung bleiben wir hier oben, im Meer der flauschigen Hügel und versuchen zu begreifen, was hier geschieht. Wir sehen tatsächlich vor uns zwei Jungs schlafen, denn unsere Fantasie hat uns keinen Streich gespielt. Oder sind es die Erscheinungen zweier Kinder? Es ist schwer zu beschreiben, jedoch sind sie ganz klar erkennbar.
Irgendwie sagt uns ein Gefühl, dass sie Brüder sind, die Beiden, obwohl sie sich nicht sehr ähnlich sehen. Der Größere von ihnen wird wohl so um die Fünf sein. Sein schmales, sonnengebräuntes Gesicht ist mit kurzen, mittelblonden, kräftigen Stoppelhaaren umringt. Er trägt einen gelben Schlafanzug, aus dessen Hose am Ende zwei kleine, nackte Füße heraus schauen. Er schläft seitlich, auf einen Arm liegend, in Richtung seines kleinen Bruders, der so zwischen Drei und Vier sein wird. Sein ovales Gesicht ist eher blass, mit einer kleinen Stupsnase und sein Haar ist fein und blond, mit einer Pagenfrisur. Er trägt einen blauen Schlafanzug und wie sein großer Bruder, hat auch er keine Schuhe an.
Er schläft noch ganz fest. Alle Viere von sich gestreckt, eingekuschelt in der weichen, weißen Hängematte, während sein Bruder Mesut sich langsam rekelt. Er streckt seine Arme und Beine kräftig aus, gähnt dabei und öffnet die großen, hellblauen Augen. Völlig erstaunt setzt er sich auf und sieht sich um. Er packt seinen Bruder am Arm, rüttelt ihn wach und ruft; „Kerim! Kerim! Hey, wach auf! Guck mal, wo wir sind!“ Kerim reißt erschrocken seine nicht ganz so blauen Augen auf, springt auf, wirft hektisch den Kopf hin und her und schreit; „Mesut! Was ist los?“ Er sieht Mesut neben sich sitzen und beruhigt sich etwas, aber völlig verblüfft, schaut auch er sich um und meint;
„Hey, wie sind wir denn hier hin gekommen? Was ist das?“
Mesut setzt sich auf seine Knie und schaut sich um.
Dann flüstert er ganz beeindruckt; „Ich weiß auch nicht. So etwas hab ich vorher noch nie gesehen.“ Er sieht Kerim nachdenklich an und flüstert;
 „Ich hab echt keine Ahnung, wie wir hier hingekommen sind.
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Vielleicht träumen wir ja.“ Allem Anschein nach entspringt dies wirklich unserer Fantasie, denn sie nehmen keinerlei Notiz von uns.
Die Sonne erreicht nun gerade den Wolkenrand und das Weiß der Wattebällchen wird leuchtender. So leuchtend, dass beide die Augen zusammenkneifen müssen, weil das Licht so blendet. Mesut streckt seine Hände aus und streicht vorsichtig über die weißen Hügel. Er kann sie richtig hineindrücken und zusammenpressen. Er lacht und meint zu Kerim: „Fühl mal. Fühlt sich an, wie Zuckerwatte!“ Kerim macht es ihm nach. Er stützt sich mit Händen und Knien auf das weiche, weiße Zeug und merkt, wie es unter ihm nachgibt. Er krabbelt darauf herum, dreht sich zu Mesut und meint lachend; „Wow! Das ist ja so weich, wie Wackelpudding.“
Jetzt fängt er an zu hüpfen. Erst auf seinen Knien, dann springt er auf die nackten Füße und hüpft immer heftiger. Er lacht Mesut an. „Komm, versuch es auch mal. Das macht irre Spaß!“ Mesut kann sich nun auch nicht mehr zurückhalten, springt ebenfalls auf seine nackten Füße und hüpft zu Kerim herüber. Beide lachen vergnügt und Mesut ruft; „Ich kann gar nicht aufhören zu lachen. Das kitzelt so furchtbar an den Füßen!“ „Ich weiß, dass ist ja das Irre dabei!“ antwortet Kerim lachend. Er nimmt Kerim´s Hände und sie springen immer heftiger.
Kerim ist schon ganz außer Atem und ruft; „Mal sehen (boing), wer höher (boing) hüpfen kann. (boing) Du (boing) oder ich!“ (boing) Mesut meint; „Na, ich (boing) bin höher!“ (boing) „Nein, ich!“ (boing) „Nein, ich!“ (boing) „Ich glaube,“ ruft Mesut, (boing) „ich sehe da was (boing) hinter dir. (boing) Dreh dich mal um. (boing) Siehst du das auch?“(boing) Kerim verdreht den Kopf. „Wo denn?“ (boing)
Kerim versucht seinen Hals ganz lang zu strecken, aber er sieht es nicht. „Was ist denn da?“ (boing) Mesut hat ihn reingelegt und lacht vergnügt. „Siehst du? (boing) ich bin höher. (boing) Komm! Lass uns (boing) mal rüberhüpfen!“ (boing)
Sie springen beide vorwärts, was das Zeug hält. Halten sich aber immer noch an einer Hand fest. So erreichen sie langsam den Rand der Zuckerwatte und erkennen bei jedem Hüpfer, wie irgendetwas Großes unter ihnen erscheint.
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Als sie am Rand angekommen sind, können sie vor Staunen den Mund nicht mehr schließen. Auch das Hüpfen haben sie völlig vergessen. Sie stehen nur da, Hand in Hand und sehen vor sich einen riesigen, bunten Ball. Er ist in den strahlendsten Farben von der Sonne hell erleuchtet. Mesut und Kerim stehen da, wie festgenagelt und können alles ganz klar sehen, wie durch einem Fernglas. Sie sind beide stumm vor Staunen. Mesut lässt Kerim´s Hand nun los und legt sich auf den Bauch. Kerim beobachtet Mesut und macht es ihm nach. Mesut flüstert;
„Ganz schön groß, was? Ich glaube, jetzt weiß ich auch, wo wir hier sind.“ Mesut sieht Kerim an, weil er weiß, dass jetzt eine Frage kommt. „Wo denn, sag mal?“ Mesut zeigt mit seiner Hand nach unten und meint; „Sieh mal, wenn dass da unten die Erde ist, dann muss hier das, wo wir drauf liegen, eine Wolke sein!“ Kerim sieht ihn ungläubig an. „Eine Wolke? Wie soll das denn gehen?“ Kerim lacht. „Du spinnst ja!“ Mesut ist etwas beleidigt und meint; „Na, was meinst du, von wo wir sonst die Erde sehen können, he?“ Kerim dreht sich um. „Mmh, vielleicht hast du recht. So kann eine Wolke von oben aussehen. Doch wie sind wir nur hier hingekommen?“ „Ich habe echt keine Ahnung.“ meint Mesut nachdenklich.
Er stützt seinen Kopf auf die Hände, rutscht etwas nach vorn und sieht direkt unter sich. Er überlegt. „Was würde passieren, wenn wir hier runterfallen, was meinst du?“ Kerim folgt seinem Blick. „Ich glaube, dann sind wir platt! Will es lieber nicht ausprobieren!“ Mesut rutscht lieber wieder ein Stück zurück. „Sieht aus, wie eine riesige Spielzeuginsel, oder?“ „Mmh!“
Beide beobachten gespannt was sich dort unten tut. Sie sehen winzige Spielzeugautos und aus den Spielzeughäusern kommt heller Rauch. Sie sehen ganze Städte unter sich. Sie wissen nur nicht, welche. Sie sehen Fabriken, aus deren Kamine Rauch steigt. Autobahnen, worauf sich Fahrzeuge wie eine Schlange bewegen.
Parkplätze und Krankenhäuser. Spielplätze und 1000 andere Sachen.
Mesut zeigt plötzlich auf eine bestimmte Stelle. „Hey, sieh mal! Da ganz hinten ist ein Flughafen. Und da, ein Flugzeug setzt zur Landung an.
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Und da, stehen ganz viele Flugzeuge und eins rollt zur Startbahn. Boa! Ist das alles klein! Guck mal, wenn ich meine Hand ausstrecke, wie groß meine Hand dann aussieht.“ Kerim streckt auch seine Hand aus, kneift ein Auge zu und tut so, als wenn er das startende Flugzeug in seine Hand nehmen kann. Er macht das Motorengeräusch nach und für ihn ist es jetzt so, als wenn er das Flugzeug fliegt.
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meleyim2 am 23.4.09 11:24


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