In der Welt der Engel
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Über

Ich bin Heike. Habe 2006 angefangen eine Geschichte zu schreiben, mit dem Titel;

"Welt der Engel"

Darin geht es um zwei kleine Seelen, die in den Himmel kommen und feststellen, dass sich ihnen eine ganz neue Welt eröffnet. An der Seite von Helden des Himmels werden ihnen die Fähigkeiten ihres neuen Daseins öffenbart, die der Schutzengel. Viel Spaß beim lesen.

Alter: 53
 
Schule: ja in Mönchengladbach2
Universität: ja in Nimmerland



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Blog

Zwei Brüder wie wir

Kapitel 2
Zwei Brüder wie wir !
„Iiiiiuuuummmm....!“ „Wo die wohl hinfliegen?“ meint Mesut. Plötzlich springt er auf, breitet seine Arme aus, rennt los und summt ganz laut dazu, so wie Kerim. „Iiiiiiuuuuummmm...! Komm, los, Kerim! Wir sind zwei Flugzeuge. Auf dem Weg, in ein fernes Land! Iiiiiiiiuuuuuummmmm...!“ Das gefällt Kerim und springt auch auf. Sie rennen kreuz und quer. Die Arme weit ausgebreitet, aneinander vorbei. Immer wieder und der Eine ist lauter, als der Andere. „Iiiiiiuuummm...! Iiiiuuummm...! Iiiiuuummm...!“ Sie sind schon ganz außer Atem und Mesut ruft; „ Lass uns mal zurück fliegen und sehen, was noch so los ist.“
Beide rennen wieder lautstark zum Wolkenrand und legen sich auf ihren Platz zurück. Kerim sieht wieder zum Flughafen, ob er etwas Neues entdeckt. „Guck mal, neben dem Flughafen sind 1000 Container und LKWs und dahinter ist ein Haven mit vollgeladenen Schiffen.“ Kerim zeigt jetzt auf eine andere Stelle. „Sieh mal, die Autobahn da, wie komisch die aussieht! So wie eine Schleife auf einem Geburtstagsgeschenk. Man, sind da viele Autos unterwegs! Und LKWs ! Was meinst du, ob die uns auch sehen können?“
Mesut runzelt die Stirn. Dies macht er immer, wenn er nachdenken muss. „Nein. Ich glaube nicht. Die können bestimmt nur die Wolke sehen. Nee, uns nicht.“ sagt er, ist sich aber wirklich nicht sicher. Jetzt sieht Mesut auf der Autobahn etwas Interessantes und zeigt darauf. „Da kommt gerade ein Auto die Auffahrt hoch gebrettert. Mann, der hat aber `n Affenzahn drauf! Boa, ist der dreist! Der überholt alle Autos im Zickzack! Der hat’s aber eilig!“ Kerim sieht sich das Spielchen auch fasziniert an. „OH! “ meint Mesut, „Ich glaube, gleich hat er ´s nicht mehr eilig. Hinter ihm kommt die Polizei! Ob der vielleicht `ne Bank ausgeraubt hat, oder so?“ Er überlegt. „Oh, ich glaub, ich weiß es. Er hat bestimmt den Wagen geklaut.
-7-
Sieh mal,“ Mesut zeigt mit dem Finger auf eine Stelle. „da vorne haben sie schon die Autobahn gesperrt. Die Anderen müssen alle rechts stehen bleiben. Jetzt haben sie ihn. Er kann nicht weiter. Er muss stoppen. Boa, ist das spannend. Ist ja fast wie im Kino.“
„Ich sehe auch was Tolles! Da unter uns.“ Kerim zeigt genau unter ihre Wolke und dabei ist er ganz weit nach vorne gerutscht, um es zu sehen. Doch Mesut packt ihn schnell am Kragen. „Hey, pass auf. Sonst bist du weg. Mannomann! Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinsehen soll.“
„Pass mal auf.“ unterbricht Kerim ihn. „Da unten brennt ein Haus und jetzt kommt die Feuerwehr und versucht das Feuer zu löschen. Hoffentlich sind keine Leute mehr drin, denn dass wäre ziemlich gefährlich. Da kommt auch ein Rettungswagen. So was wolltest du doch immer schon mal sehen.“ Jetzt sieht Mesut sich das genauer an. „Ja, sieh mal, die haben schon die Leiter ausgefahren und die Schläuche ausgerollt. Ich hab´ noch nie gesehen, wie die so etwas machen. Sieht ganz einfach aus. Hast du ihre Sirene vorhin gehört? Ich nicht.“ fragt er Kerim. Beide konzentrieren sich auf die Arbeit der Feuerwehrleute. „Komisch,“ meint Mesut nachdenklich, „ich höre eigentlich gar nichts, außer den Wind!“ Eine Weile lauschen sie angestrengt. „Hören kann ich ihn auch,“ meint Kerim, „aber hier oben ist kein Wind. Ist mir noch gar nicht aufgefallen.“ „Vielleicht ist er nur unter der Wolke.“ meint Mesut. „Meinst du?“ „Mmh...!“
Mesut schaut wieder nach unten. Die Arbeit fasziniert ihn sehr. „Sieh mal, da ist die Familie vor dem Haus. Sie stehen neben dem Rettungswagen. Sieht aus, als wenn ihnen nichts passiert ist. Die Eltern haben ihre Kinder auf dem Arm. Sie sind noch ziemlich klein, richtige Babys. Da haben sie echt Glück gehabt! Wo die jetzt wohl wohnen? Jetzt, wo ihr Haus ganz kaputt ist.“ Mesut schaut zu Kerim und stellt fest, dass er die ganze Zeit mit sich selbst geredet hat, denn Kerim ist weg.
„Ja, toll!“ meint Mesut zu sich selbst und dreht sich um, um zu sehen, wo Kerim steckt.
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Er sieht ihn wieder rumhüpfen und zwar ganz schön hoch, am äußersten Wolkenrand entlang. „Kerim !!!“ KERIM!!! KERIM!!! brüllt Mesut schockiert. Wie er so brüllt, schallen seine Worte wieder und wieder. „Pass auf!!!“ PASS AUF!!! PASS AUF!!! „Du fällst!!!“ DU FÄLLST!!! DU FÄLLST!!!
Mesut lauscht dem Echo. „Hi-hi-hi- dass hört sich lustig an.“
Kerim hat von all dem gar nichts bemerkt. Er hüpft  singend vor sich hin. „Ri-Ra-Rutsch, Tik-Tak-Tutsch.“ Er hat schon beinah die andere Seite der Wolke erreicht und achtet nicht auf das Gebrüll von Mesut, der sich schon wieder beruhigt hat. „Hallo !!!“ HALLO!!! HALLO!!! (boing, boing) Mesut hüpft wie Kerim am Wolkenrand vorbei und brüllt herum. „Ich bin’s!!!“ ICH BINS!!! ICH BINS!!! (boing, boing) „Mesut !!!“ MESUT!!! MESUT!!!
(boing, boing) Mesut ist auch fast auf der anderen Seite angekommen und brüllt fleißig vor sich hin. Doch plötzlich kann er Kerim nirgends mehr sehen. Kerim ist weg!
Sofort bleibt Mesut stocksteif stehen. „Kerim !!! KERIM!!! KERIM!!! brüllt er wieder, in Sorge um seinen Bruder. Doch jetzt mit Recht, denn Mesut sucht die ganze Wolke nach ihm ab, aber er kann Kerim nirgendwo sehen. „Kerim !!!“ KERIM!!! KERIM!!!
Jetzt findet Mesut das Echo überhaupt nicht mehr lustig. Ohne zu überlegen macht er einen Riesensatz und landet dort, wo er Kerim gerade noch gesehen hat. Er wundert sich nicht mal, dass er so weit springen kann. Er hat gar keine Zeit dazu, denn was er jetzt sieht, kann er kaum fassen.
„Kerim !!!“ KERIM!!! KERIM!!! brüllt Mesut ihn wieder an, obwohl Kerim direkt vor ihm ist. Mesut wirft sich hin, auf Händen und Knien und sieht zu Kerim, der sich gar nicht auf der Wolke befindet, sondern in der Luft. Ja, Kerim schwebt!!! „Was tust du da?“ TUST DU DA!!!  TUST DU DA!!! brüllt Mesut ihn an.
Kerim sieht ihn verzweifelt an. Er kann es auch nicht fassen. Kerim schwebt gar nicht, er fliegt!!!
Zweifellos! Zwei kleine Flügel auf seinem Rücken bewegen sich ganz schnell auf und ab, im selben Rhythmus. Kerim kann fliegen! Tatsächlich! Es ist kaum zu glauben.
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Mesut starrt ihn mit offenem Mund an und wundert sich, wie Kerim so plötzlich Flügel haben kann. Kerim hat große Mühe, seine neue Kraft unter Kontrolle zu bekommen. Er kippt hin und her, hoch und runter und er versucht dabei verzweifelt  mit seinen ausgestreckten kurzen Ärmchen, die Wolke zu fassen, denn er hat große Angst abzustürzen. Mesut liegt am Wolkenrand und versucht nun Kerim´s Hände zu greifen. Er schreit immer wieder seinen Namen und ihm kullern Tränen die Wangen hinunter. Er hat panische Angst, dass Kerim abstürzt, denn dann ist er ganz allein. Schon der Gedanke versetzt Mesut in Angst und Schrecken.
Kerim versucht angestrengt seinen Flügelschlag zu kontrollieren. Ihn läuft Schweiß von der Stirn und er will immer wieder Mesut´s Hände schnappen, aber er kommt nicht dran. Mesut weiß, wenn Kerim es nicht schafft, dann ist er verloren. Deshalb versucht er ihm jetzt ruhig zuzureden. „Pass mal auf! Sei ganz ruhig! Du schaffst das schon! Konzentriere dich! Du musst dich ganz ruhig halten und schlag nicht so heftig mit deinen Flügeln! Dann geht's!“ Kerim beißt die Zähne in seine Lippen und schließt die Augen, um sich zu konzentrieren.
Er steckt nun all seine Kraft in diese neuen Flügel und Mesut sieht, wie es ihm furchtbar anstrengt. Doch es klappt. Kerim bewegt sich nach oben. „Ja, ja!“ Ja, ja!!! Ja, ja!!! brüllt Mesut unter Tränen. „Komm, du schaffst es. Ich weiß es. Noch ein kleines Stück, dann hab ich dich.“ Hab ich dich!!! Hab ich dich!!! ruft Mesut aufgeregt. Und tatsächlich bekommt Mesut Kerim´s Hände zu fassen. Er brüllt ihn an: „Ja, ich hab dich! Ich hab dich!“ HAB DICH!!! ICH HAB DICH!!! ICH HAB DICH!!!
 und zieht Kerim schnell hoch. Mesut nimmt Kerim in den Arm und lacht und weint und alles gleichzeitig. Er drückt ihn ganz fest an sich, als wenn er ihn niemals wieder loslassen will. Kerim laufen auch Tränen aus den Augen, vor Anstrengung und vor Freude. Er legt ganz erschöpft seinen Kopf an Mesut´s Schulter. Kerim ist fertig, mit sich und der Welt und beide bleiben eng umschlungen liegen.
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Glücklich vor Erleichterung und Müdigkeit schlafen beide schnell ein, auf der weichen, weißen Zuckerwatte.
Das waren zu viele verrückte Erlebnisse für zwei kleine Jungs, an einem Tag. Ihnen war nicht mal aufgefallen, dass ein ganzer Tag verstrichen ist. Dass die Sonne langsam am Wolkenrand verschwunden ist und das blendende Weiß von grauen Schatten abgelöst wurde.
Zwei kleine Jungs, die so schnell und so fest eingeschlafen sind, dass sie nicht mehr mitbekamen, wie die Nacht einbrach und sie mit seinem strahlenden Sternenhimmel in gelbes Licht tauchte. Sie schliefen eng umschlungen und hielten sich so fest, damit sie sich niemals wieder verlieren konnten. Zwei kleine Jungs, die einen unglaublichen Tag hinter sich gebracht hatten und keine Zeit, dies alles zu begreifen.
Für sie war alles wie ein Traum.
Was sie wussten war, dass sie zusammen sind und dass es ihnen gut geht! Sie wussten nicht, was Gestern war und sie wissen nicht, was Morgen kommt.
Wir lassen die Zwei friedlich schlafend zurück. Diese erste Nacht wird für sie ereignislos vergehen.
Doch unten, auf der Erde, wird immer etwas los sein. Ob Tag, oder Nacht. Wir brauchen uns doch nur die Nachrichten im Fernsehen anzusehen. Irgendwo passiert immer irgendetwas und wir fragen uns ernsthaft, was der neue Tag uns bringen wird.
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meleyim2 am 23.4.09 11:30


Können uns Flügel wachsen?

Kapitel 3
Können uns Flügel wachsen?
Stellt euch vor,
am nächsten Morgen befinden wir uns vor einem Kartoffelfeld und hinter uns ist ein kleiner alter Bauernhof, in dem eine junge Familie wohnt. Neben dem Hof steht eine riesengroße, alte Eiche, dessen Äste bis hoch in den Himmel ragen. Weil der Winter gerade vorbei ist, sind an seinen Zweigen schon viele kleine Knospen zu sehen, wenn man genauer hinsieht.
Neben uns, auf dem Feldweg, streiten sich zwei Eichhörnchen um eine Eichel, die noch vom Winter übrig geblieben sein muss. Wir folgen ihnen, wie sie auf den Baum zu laufen, wo sie mit ihren kleinen, spitzen Krallen den Baumstamm hoch flitzen. Eichhörnchen sind außergewöhnlich gute Kletterer, denn wir können ihnen kaum folgen, so schnell haben sie die Baumkrone erreicht. Das Geäst
hier oben, ist sehr viel dichter und unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf die zwei lustigen Hörnchen, so dass wir unseren Falken nicht gleich bemerken. Er sitzt weiter oben, auf dem letzten, starken Ast der Eiche und es hat den Anschein, als warte er wieder auf uns. Er sieht uns an und kreischt, so wie wir es von gestern schon kennen. Dieses Mal wissen wir was uns erwartet und schon schwingt er sich mit seinen großen, flauschigen Flügeln in die Luft. Wir fühlen uns schon sehr vertraut mit ihm und freuen uns auf diese Reise und den bevorstehenden Tag, der uns sicher neue Überraschungen bringen wird.
Wir rauschen ganz knapp über das Kartoffelfeld, links an dem Bauernhof vorbei. Er kreischt schon wieder und wir sehen, wie der Bauernsohn mit seinem Vater überrascht aufblickt. Schnell haben wir das Kartoffelfeld hinter uns gelassen und fliegen über saftige Wiesen, wo grasende Kühe ihren Tag beginnen, an anderen Bauernhöfen vorbei.
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Sausen über Hügellandschaften und einen Bachlauf, der sich seinen Weg hinunter ins Tal, durch die nächste Ortschaft sucht. Unser Falke steigt höher und um uns braust wieder heftig der Wind, so wie wir es von gestern schon kennen. Wir fliegen der Sonne entgegen und erreichen bald eine Wolke, die wieder unser Ziel sein wird.
Das es dieselbe Wolke ist, scheint unwahrscheinlich zu sein, denn Wolken verändern ständig ihre Form und ziehen unablässig mit dem Wind davon. Unser Falke überquert diese Wolke, zieht einen Kreis und kreischt. Wie gestern zieht er einen zweiten Kreis und wir sehen unter uns ein klitzekleines Baby, das in der bauschigen, weißen Zuckerwatte schlummert. Wir rechnen schon damit, dass wir heute dieses Baby beobachten sollen, aber so ist es nicht, denn wir fliegen weiter und der Falke steigt unerwartet höher. Wir blicken zurück zu dem kleinen Baby und uns stellt sich die Frage, ob es das Neugeborene des jungen Bauernsohnes ist.
Anscheinend hat der Falke noch ein zweites Ziel, denn er fliegt stetig höher. Gespannt blicken wir uns um und wissen nicht, was uns erwartet. Wir überqueren einige kleinere Wolken und bemerken, dass auf der nächsten Wolke unsere beiden schlafenden Jungs liegen. Der Falke umkreist sie einmal, vielleicht um sich zu versichern, dass es ihnen gut geht und stößt einen Schrei aus. Wir bleiben wieder bei Mesut & Kerim. Der Falke macht sich auf den Rückweg zur Erde und kreischt zum Abschied.
Diesmal weckt das Kreischen Mesut und er setzt sich neugierig auf, blickt um sich und reibt sich den Schlaf aus den müden Augen. Doch den Falken sieht er nicht mehr. Kerim liegt neben ihm auf dem Bauch, seine neuen Flügel liegen ganz entspannt auf seinem Rücken, so dass Mesut nun Gelegenheit hat, sich die Dinger näher anzuschauen. Diese kleinen, weißen Flügelchen, die Kerim gestern noch vor dem Absturz gerettet haben. Die flauschigen Federn liegen nebeneinander, als wenn jemand sie gekämmt hat.   
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Mesut streicht mit seinen Händen vorsichtig darüber und stellt fest, dass sie an die Flügelknochen gewachsen sind. Seine Berührungen kitzeln, so dass die Flügel ganz leicht zucken. Doch Kerim wird davon nicht wach. Mesut grinst. Er findet das sehr komisch und kribbelt Kerim an den Federspitzen. Natürlich kitzelt das noch sehr viel mehr und die Flügel zucken immer heftiger, dass Mesut leise vor sich hin kichert. Kerim wird wach, von dem Gekitzel und Gelache und fängt an mit zu lachen. Er dreht sich zu Mesut um und hält seine Hände fest,
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damit Mesut ihn nicht mehr kitzeln kann. Lachend erzählt Mesut; „Hey, Kerim. Ich hab gerade mal deine Flügel untersucht, da fingen sie an zu zucken.“ Kerim versucht lachend über seine Schulter zu blicken, aber er sieht natürlich nicht sehr viel. Ihm fällt was ein. „Ist dir aufgefallen, dass du auch welche hast? Lass mich deine mal ansehen. Komm, dreh dich um.“ Messt dreht sich wirklich um, zeigt Kerim seine Flügel und schaut sich selber erstaunt über die Schulter. „Hey, du hast recht!“ stellt Mesut fest, jedoch kann er nicht aufhören dabei zu lachen, weil er weiß, dass Kerim ihn gleich kitzeln wird. Er flattert mit den Flügeln, um Kerim´s Händen auszuweichen. Er zappelt und kichert, so dass Kerim keine Chance hat, sie auch nur ein einziges Mal zu erwischen. „ Mann, lass das! Ich will auch mal!“ beschwert Kerim sich. „Ich kann nichts dafür. Das kitzelt so furchtbar.“ ruft Mesut lachend. Jetzt packt Kerim ihn von hinten und springt auf ihn drauf, sodass Mesut seine Flügel gar nicht mehr bewegen kann. Jetzt kullern beide lachend herum und Kerim ruft; „Woher willst du wissen, dass es kitzelt? Ich hab sie nicht einmal berührt!“ Kerim klammert ihn fest und Mesut versucht sich zu befreien. „Weißt du,“ Mesut will ihn ablenken. „dass du mir schon einen Schritt voraus bist?“ Kerim hört auf zu kämpfen und setzt sich auf. „Wie meinst du das?“ will er wissen. Mesut setzt sich auch und sagt; „Na, dass du deine Flügel gestern schon ausprobiert hast. Und da bin ich auch echt froh drüber, sonst wärst du jetzt nicht mehr bei mir.“ Kerim wird wieder ernst und denkt an gestern Abend und die Angst die er hatte. Dabei wird er ganz blass. „Ich hatte voll die Panik, dass ich es nicht schaffen würde. Kannst du mir glauben.“ „Ich hatte genau soviel Angst, denn dann wäre ich jetzt ganz allein.“ Mesut steht auf und breitet seine Flügel und Arme aus. „Boa, sieh mal. Die sind genauso lang, wie meine Arme.“ Er schlägt mit den Flügeln auf und ab und versucht dabei, sich über die Schulter zu gucken. „ Ist es schwer? Das Fliegen, meine ich. Weißt du noch? Gestern haben wir Flugzeug gespielt und heute haben wir selber Flügel.“ „Ich weiß nicht.“ meint Kerim bedrückt.
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„Das von gestern hat mir eigentlich gereicht.“ Kerim findet seine Flügel nicht so toll. Er hat immer noch Angst davor. Mesut lässt sich trotzdem nicht aufhalten und fängt an wie wild mit seinen Flügeln zu flattern. Er schafft es sogar, einen Meter abzuheben. Fällt aber gleich wieder hinunter. „Mann, ist das schwierig! Das schaffen wir ja nie!“ Kerim muss lachen. „Klar ist das schwierig. Du flatterst ja wie bescheuert mit den Flügeln.“ Kerim reizt es jetzt auch, herauszufinden ob er es wie gestern noch kann und steht auf. Mesut ist beleidigt, weil Kerim ihn ausgelacht hat und meint sauer; „Ja komm, dann zeig mal, ob du ´s besser kannst. Das von gestern war auch nicht gerade eine Meisterleistung.“ Mesut setzt sich vor Kerim in den Schneidersitz und verschränkt seine Arme bockig vor die Brust. Kerim konzentriert sich, atmet tief ein, macht einen Sprung und breitet erst jetzt seine Flügel aus. Er versucht mit langen, kräftigen Schlägen sein Gleichgewicht zu halten. Es klappt! Mesut hört sein angestrengtes Atmen und sieht, wie Kerim kräftig ausschlägt und tatsächlich höher kommt. Kerim versucht seine Beine nach hinten zu heben, um sich waagerecht zu halten, wie ein Vogel. Jetzt bewegt er sich nach vorn. Er weiß nicht genau wie er ´s macht, aber es klappt und Mesut sieht doch sehr beeindruckt aus. Er merkt sich alles ganz genau, was Kerim macht. Kerim zieht sein Beine wieder runter und springt vor Mesut auf die Füße. Er ist ganz aus der Puste und meint zu Mesut stolz; „Es ist eigentlich ganz einfach, aber sehr anstrengend.“ Er ist froh, dass er ´s noch mal versucht hat, denn jetzt ist seine Angst nicht mehr so groß. „Na, jetzt versuch du ´s noch mal.“ fordert er Mesut auf und setzt sich in den Schneidersitz,  wie Mesut. „Na, dass schaff ´ich doch auch!“ meint Mesut angeberisch und springt auf. Er macht einen Sprung und schlägt so heftig mit seinen Flügeln, dass er direkt mehrere Meter hoch saust. „Uuuaaahhh! Hilfe !!! Kerim, hilf mir!!!“ HILF MIR!!! HILF MIR!!!
brüllt er von oben herunter. Er ist ganz schockiert, weil er nicht damit gerechnet hat, dass er soviel Kraft hat. Kerim springt auf und brüllt zurück:
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„Schlag nicht so heftig, dann geht's!“ DANN geht's!!! DANN geht's!!! Kerim springt wieder hoch und versucht Mesut´s Höhe zu erreichen, was ihm sehr schwer fällt. Er ist eben nicht so kräftig, wie Mesut. Aber er schafft ´s. Mesut kann da oben sein Gleichgewicht kaum halten und brüllt immer noch herum. Kerim will Mesut an den Händen festhalten, aber Mesut schaukelt so sehr, dass Kerim seine Hände nicht zu fassen kriegt. „Du musst dich auf deine Flügel konzentrieren! Das hast du gestern zu mir gesagt, weißt du noch? Bewege sie gleichmäßiger, dann geht's.“ Kerim ist völlig ruhig. Er weiß ja, dass nicht viel passieren kann, wenn Mesut abstürzt. Nicht so, wie bei ihm, gestern. Jetzt erwischt er Mesut´s Hände und redet auf ihn ein. „Guck mich an und mach es so wie ich! Nicht so schnell und nicht so heftig!“ Mesut hat Schweiß auf der Stirn und ist ganz außer Atem. „Ich glaub, jetzt hab ich ´s! Wow ! Das ist echt anstrengend, Mann!“ Mesut´s Stimme ist ganz leise. Er muss sich voll konzentrieren. „Ich glaube, du kannst loslassen!“ Kerim schaut ihn skeptisch an und lässt langsam seine Hände los. Er hat sich so auf Mesut konzentriert, dass er gar nicht gemerkt hat, wie ihm auch die Puste ausgeht. Mit einem, „Uuuaaahhh...!“ fallen beide gleichzeitig hinunter und landen weich auf der Wolke. „Ich glaube, wir können beide ´ne Pause gebrauchen, was meinst du?“ fragt Mesut Kerim und beide legen sich nebeneinander, die Hände hinter den Kopf verschränkt und beobachten eine Weile, wie die Wolken über ihnen hinweg ziehen. „Was meinst du, treffen wir irgendwann mal andere,  wie uns?“ fragt Kerim nachdenklich. Der Gedanke ist Mesut auch schon öfter gekommen, deshalb antwortet er Kerim; „Kommt drauf an, ob wir hier jemals wegkommen!“ Er springt auf, rennt los und schlägt mit den Flügeln. Er schafft es, von der Wolke abzuheben und seine Beine nach hinten zu ziehen, wie Kerim vorher. Er lacht dabei und brüllt; „Ich kann ´s! Ich kann ´s! Ich kann ´s, ich kann ´s!!!
„Sieh nur Kerim, es geht!“ Kerim freut sich natürlich mit ihm, aber es geht ihm wieder viel zu schnell, denn er hat sich noch kein bisschen ausgeruht.
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Deshalb bleibt er auch liegen und sieht nur zu, was Mesut macht. „Na geht doch!“ meint er nur. Mesut macht natürlich direkt einige rasante Flugübungen, obwohl er noch rumwackelt, wie ´ne besoffene Fliege, aber dass hindert ihn nicht, zu experimentieren. Kerim kann sich kaum halten vor Lachen, deshalb muss er sich hinsetzen. Er sieht, wie Mesut ganz übermütig über seinen Kopf hinweg saust und Kerim sich ducken muss. Er schreit lachend; „Hey, pass auf! Sonst stürzt du ab.“ Kaum hat er das ausgesprochen, dreht Kerim sich um und sieht Mesut mit dem Kopf in der Wolke stecken. Mesut bohrt sich wieder heraus und startet gleich von neuem. „Kein Problem!“ ruft er. „Nichts passiert! Mann, ich fühle mich wie Peter Pan!“ Das ist für Kerim Grund genug, es auch noch mal auszuprobieren. Er startet so, wie er ´s schon kann und es klappt auch. Beide fliegen jetzt umher und probieren ein paar Drehungen aus. Mit jedem Augenblick werden sie etwas sicherer, obwohl es noch ziemlich holprig aussieht. „Hey, Kerim!“ ruft Mesut übermütig. „Was meinst du, traust du dich schon über den Wolkenrand?“ Doch Kerim verzieht bei der Vorstellung das Gesicht, als hätte er gerade auf eine Zitrone gebissen und meint, „Nee, du! Ohne mich! Ich glaub, ich brauch ´ne Pause.“ Er fliegt Richtung Wolkenrand. Bis jetzt hat noch keiner von beiden versucht zu landen. Kerim streckt seine Beine nach vorn, so wie er es bei Vögeln schon gesehen hat und versucht sich langsam runter gleiten zu lassen. Es sieht auch ganz gelungen aus, bis seine Füße die Wolke berühren und er über einen Hügel stolpert. „Aaahh !!!“ PATSCH!!! Er klatscht bäuchlings auf einen Hügel und sein Gesicht steckt in der Wolke fest. Er zieht seinen Kopf wieder heraus und bleibt, alle Viere von sich gestreckt liegen. Mesut hat sich das natürlich gut angeguckt und lacht sich schief. „Ha-ha-ha! Sowie bei mir vorhin. Mal sehen, ob es bei mir jetzt besser klappt!“ Er versucht, so wie Kerim aufzusetzen, ist aber viel zu schnell und landet, mit mehreren Purzelbäumen hinter Kerim. „Wow!“ meint Mesut nur und schüttelt seinen Kopf. Ihm ist ganz schwindelig, vom purzeln.
-15-

„Ha-ha-ha-ha ! Ich glaub, dass müssen wir beide noch mal üben!“ „Ja, ja!“ meint Mesut etwas beleidigt, weil es schon wieder nicht geklappt hat. Doch er hat es bald geschluckt und krabbelt schnell zum Wolkenrand, um als erster hinunter zu sehen. Kerim steht auf, hüpft lachend hinter Mesut her und legt sich neben ihn.


 

meleyim2 am 23.4.09 11:56


Keine Angst kleiner Bruder

Kapitel 4
Keine Angst, kleiner Bruder !
Jetzt schauen sie wieder, wie gestern, hinunter auf die bunte Weltkugel. Einige Zeit sind sie ganz still, beobachten alles ganz genau und lassen es auf sich einwirken. Nachdenklich fragt Mesut; „Kannst du dich eigentlich daran erinnern, wo wir vorher waren, Kerim? Es kommt mir alles so bekannt vor, doch ich weiß nicht mehr, was vorher war!“ Mesut sieht Kerim fragend an. „Ja, das gleiche Gefühl hab ich auch, aber vor gestern weiß ich gar nichts!“ Mesut konzentriert sich wieder auf die Welt unter ihm und sieht etwas Interessantes. „Schau mal! Sieht so aus, als wenn die Schule gleich zu Ende ist. Da kommen schon Kinder mit Schultaschen aus dem Haus. Was meinst du, sollen wir mal runterfliegen und uns das von der Nähe ansehen?“ Kerim sieht Mesut skeptisch an. „Ich weiß nicht so recht. Ich glaub nicht, dass wir schon so gut fliegen können. Das ist doch ziemlich weit weg.“ Mesut will ihn unbedingt überreden. „Komm schon! Was meinst du, was die staunen, wenn sie sehen, dass wir fliegen können!“ „Wir sollten doch erst hier oben noch üben.“ meint Kerim hartnäckig. Doch Mesut ist schon aufgesprungen und schwebt flatternd vor Kerim. Er dreht sich ungeduldig um und will los fliegen, wenn ´s sein muss, auch allein, als Kerim brüllt; „Warte!!!“ WARTE!!! WARTE!!!
  Mesut dreht sich wieder um und meint; „Was ist?“ „Was ist los, willst du ohne mich fliegen, oder was?“ Kerim ist aufgesprungen und fängt fast an zu weinen. Er hat Angst, so weit fliegen zu müssen. Doch er hat genauso viel Angst, allein hier oben zu bleiben. „Du musst aber meine Hand festhalten! Ich trau mich nicht! Das ist so tief!“ Kerim streckt Mesut seine Hände entgegen und guckt ganz ängstlich. Mesut fliegt zu ihm zurück, greift Kerim´s Hand und redet ihm gut zu. „Sieh mal, Kerim. Wir können nicht ewig hier auf der Wolke bleiben. Was sollen wir denn hier machen? Komm, wir schaffen das schon. So weit ist es gar nicht.“
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Er zieht Kerim vom Wolkenrand runter, so dass er fliegen muss. Kerim schreit, als er nach unten sieht. „Aaahhh! Das ist so tief!!!“ SO TIEF!!! SO TIEF!!!
„Na, komm! Stell dich nicht so an. Du kannst doch fliegen! Du kannst es besser als ich. Komm, wir halten uns fest!“ Seitdem sie die Wolke verlassen haben, bekommen sie den vollen Wind ab, den sie oben nur hören konnten. Sie kämpfen schwer mit dem Wind und müssen sich krampfhaft festhalten, damit sie nicht auseinander gerissen werden. Mesut bekommt nun doch etwas Angst, dass sie es nicht schaffen. Vielleicht hätten sie doch noch oben bleiben sollen. Doch nun ist es zu spät. Erst langsam lernen sie nicht gegen den Wind zu kämpfen, denn das bringt ihnen überhaupt nichts. Also versuchen sie auf dem Wind zu gleiten, damit das Fliegen für sie nicht zu anstrengend wird.  Kerim schaut kurz zurück und ruft zu Mesut; „Hast du eine Ahnung, wie wir jemals wieder zurück kommen sollen? Das schaffen wir doch nie!“ „Wir werden schon einen Weg finden.“ brüllt Mesut. „Vielleicht müssen wir auch gar nicht zurück!“ Sie müssen sich praktisch anbrüllen, um gegen das Heulen des Windes anzukommen und hier, unter der Wolke, ist auch kein Echo mehr zu hören. „Weißt du, dass ich dich gar nicht mehr richtig sehen kann?“ meint Kerim. „Ist es hier nebelig, oder was?“ Tatsächlich sind ihre beiden, kleinen Gestalten heller geworden, seitdem sie die Wolke verlassen haben so, als wären sie in Nebel eingehüllt. Der Wind reißt sie richtig mit und es fällt ihnen sehr schwer, die Richtung zu behalten. Keiner von beiden spricht ein Wort, so sehr müssen sie sich konzentrieren. Umso tiefer sie fliegen, umso schwächer wird auch der Wind und ihre Gestalten werden immer heller, je näher sie der Erde kommen. Sie fliegen jetzt über die ersten Baumkronen hinweg und sehen alles in voller Größe. Der Wind ist so leise geworden, dass sie Geräusche hören können. Die fahrenden Autos und LKWs. Ein Zug, der direkt an ihrer linken Seite vorbei gebraust kommt und das Hämmern von Arbeitern, auf einer großen  Baustelle. Sie wissen nicht, wie viel Zeit vergangen ist, doch sie hören ganz in der Nähe,
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das Klingelzeichen  einer Schule und fliegen in diese Richtung. Sie kommen gerade rechtzeitig an, sodass sie sehen, wie die Jungs grölend heraus gerannt kommen und die Mädchen schlendern langsam, schwatzen und kichern, wie man es eben von Mädchen kennt.
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meleyim2 am 23.4.09 12:03


Kapitel 5 - Niemand sieht uns

Kapitel 5
Niemand sieht uns !

Plötzlich schmeißen zwei Jungs ihre Toni ´s weg und fangen an sich zu prügeln. Mesut und Kerim standen bis jetzt in einiger Entfernung auf dem Schulhof und haben die Kinder beobachtet. Doch als Mesut die zwei Jungs bemerkt, klopft er Kerim auf die Schulter und sagt zu ihm; „Boa, da ist was los! Komm, wir setzt uns da oben auf ´s Dach und schauen uns das an!“ Jetzt erst sieht er zu Kerim und bemerkt; „Mann, du hast recht. Ich sehe dich kaum noch. Sind wir durchsichtig, oder was?“ „Hab ich dir doch vorhin schon gesagt.“ meint Kerim. „Vielleicht sind unsere Augen krank geworden, von der hellen Sonne, oben auf der Wolke.“ stellt Mesut die Vermutung auf. „Na, auf jeden Fall, können wir uns jetzt loslassen, hier unten ist es nicht mehr windig. Komm, sonst verpassen wir was.“ Beide fliegen jetzt los und ihnen fällt noch nicht auf, dass sie von niemand gesehen werden. Mesut nimmt die Eingangstür der Schule als Ziel und versucht oben, auf dem schrägen Dach zu landen. Kerim warnt ihn lachend vor; „Pass auf, dass deine Landung diesmal besser klappt! Hi-hi-hi-hi!“ Tatsächlich lernt Mesut immer sehr schnell aus seinen Fehlern und verlangsamt seinen Flug, bevor er die Füße nach vorn streckt und auf ´s Dach springt. „Na?“ meint er zu Kerim und setzt sich auf die Dachrinne. „Klasse, Ey. Das war ´ne Landung, erste Sahne.“ gibt Kerim zu und versucht es Mesut nach zu machen. Und es klappt fast genauso gut. „Du aber auch, Mann.“ meint Mesut großzügig. Beide sitzen nun über dem Schuleingang und lassen ihre Füße runter baumeln. Nun wird's aber Zeit, sich wieder auf die Jungs zu konzentrieren. Der Eine liegt schon am Boden und wird von dem Anderen festgehalten, der auf ihn drauf sitzt. Die Freunde von ihm stehen drum herum und feuern ihn an. „Sven! Los, mach ihn fertig! Los, Mann!“ Der Obere, Sven, versucht den Jungen zu schlagen und brüllt wütend; „Du hast meine Drachenjäger Karten geklaut!
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Ich weiß es! Los, rück sie raus, sonst mach ich dich platt!“ Von seinen Freunden hört man lautes Gegröle. Doch der Junge schafft es, die Fäuste von Sven abzuwehren und ihn umzuschmeißen, sodass er jetzt auf Sven sitzt. Natürlich feuern ihn nun seine Freunde an. „Los, Kai! Mach ihn zu Brei! Los!“ Doch Kai hält nur Svens Arme am Boden fest und meint; „Was machst du dir Sorgen, um deine Karten? Deine Eltern sind doch stinkreich. Die können dir locker neue kaufen! Du kriegst ja alles, was du willst!“ Sven knallt seine Knie in Kai ´s Rücken und dreht und wendet sich, um wieder frei zu kommen. Kai lacht und passt eine Sekunde nicht auf. Da schwingt Sven ein Bein über Kai und kann ihn so zu Boden drücken. Alle Jungs brüllen wild durcheinander und stehen um die Zwei herum. Mesut ruft aufgeregt; „Stark, was? Wer gewinnt, was meinst du, Kerim? Ich glaube, Sven gewinnt.“ Kerim ist anderer Meinung, „Kai ist stärker, ich glaube Kai gewinnt.“ „O.K.!“ meint Mesut, „Wer recht hat, darf als nächstes sagen, wo wir hinfliegen, klar?“ „Klar!“ Sie strecken beide eine Hand hoch und klatschen ab. „Gib Fünf!“ rufen beide gleichzeitig und lachen. Sven ist jetzt wieder über Kai und dreht ihn auf den Bauch, eine Hand von Kai dreht er auf den Rücken. „ Vielleicht bist du ja stärker, aber ich bin schlauer als du. Gibst du auf?“ Meint Sven leise und drückt Kais Arm einmal nach oben. „Au-Au!!! Ja, ja! O.K., du hast gewonnen!“ ruft Kai. Sven reicht das noch nicht. Er will ´s richtig wissen und drückt noch mal Kais Arm und sagt; „Gibst du mir auch meine Karten zurück?“ „Au, ja, ja ! Ist gut, Mann! Du hast gewonnen! Hab ich doch schon gesagt.“ Sven steht auf und grinst siegessicher. Kai steht auch auf und reibt schlechtgelaunt seinen schmerzenden Arm. Stink wütend über sich selbst, greift er in seine Hosentasche und schmeißt die Karten quer über den Schulhof. Er dreht sich fluchend um, schnappt sich seinen Toni und geht mit seinen Freunden nach Hause. Eigentlich ist er gar kein Schläger, doch er wollte Sven endlich mal eins auswischen, weil er so ein furchtbarer Angeber ist. Doch das war wohl nichts.
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Sven sieht grinsend hinter Kai her und fühlt sich wieder bestätigt. Er ist nun mal der Beste. Seine Freunde heben ihm die Karten auf und klopfen ihm auf die Schulter. „Dem hast du ´s aber gezeigt!“ meint einer von Ihnen stolz. Sven steht immer noch da und schaut hinter Kai her. Eigentlich kann er ihn ganz gut leiden, denn er weiß von den anderen, dass Kai ein guter Kumpel ist. Wenn sie nicht aus verschiedenen Teilen der Stadt kommen würden, wären sie vielleicht Freunde, wer weiß. „Siehst du? Hab ich nicht gesagt, Sven gewinnt?“ meint Mesut, als alle weg sind. „O.K.!“ antwortet Kerim. „Du hast gewonnen, aber nur weil Kai nachgegeben hat. Er prügelt sich überhaupt nicht gern. Das wusste ich.“  Ihm ist es direkt aufgefallen, dass Kai kein Schlägertyp ist. Mesut regt sich auf. „Das ist nicht wahr, Sven war besser und auch stärker! Er hat gewonnen!“ „O.K., o.k.! Es ist wahr. Du hast gewonnen, o.k.?“ Mesut runzelt die Stirn und denkt nach. Er findet seinen Sieg jetzt sehr zweifelhaft und ist sauer. Weil nichts mehr los ist, steht Kerim auf und balanciert, mit ausgestreckten Armen auf der Dachrinne herum. Er fühlt sich nun doch ziemlich sicher, mit seinen Flügeln, weil ihr Flug zur Erde gut verlaufen ist. Er sieht was Interessantes und ruft zu Mesut; „Hey, Mesut! Guck mal! Da hinten am Schulhof steht ein riesiger Baum. Sollen wir da mal hin und hochklettern? Ich glaube, ich sehe auch einen Drachen darin.“ Kerim dreht sich zu Mesut um und sieht ihn fragend an. „ Ich hab gewonnen. Ich darf sagen, wo wir hinfliegen.“ meint Mesut stur, steht aber doch auf, weil er neugierig ist. „O.K.! Lass uns mal rüber fliegen.“ meint er und ist auch schon unterwegs. Kerim folgt ihm zwar, doch landet er auf dem Schulhof  und will zu Mesut rüber laufen. Ihm ist plötzlich was eingefallen. „Hattest du nicht gesagt, dass wir die Kinder mit unseren Flugkünsten erschrecken wollen?“ ruft er zu Mesut herüber und bleibt mitten auf dem Platz stehen, um nachzudenken. „Ist dir eigentlich aufgefallen, dass uns niemand gesehen hat? Die Kinder hätten uns doch auf dem Dach sehen müssen, oder?“ „Na, klar!“ ruft Mesut zurück und ist damit beschäftigt, sich den Hals zu verrenken,
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um in die Baumspitze zu sehen. „Aber, die waren alle mit der Prügelei beschäftigt, deshalb hat keiner nach oben geguckt!“ ruft er zurück. Kerim schaut sich um. Einige Schüler und auch Lehrer kommen noch aus dem Schulgebäude, aber niemand nimmt Notiz von ihnen so, als wenn sie gar nicht da wären. Kerim fliegt jetzt auf ein paar Mädchen zu, die gerade heraus kommen und miteinander quatschen. Kerim flattert vor ihnen herum und ruft; „Hey, guck mal! Ich kann fliegen und ihr nicht!“  Er fliegt vor ihnen hin und her und macht Faxen, aber keine der Mädchen bemerkt ihn. „Hey, ihr Zicken! Habt ihr keine Augen im Kopf?“ brüllt Kerim und sieht verzweifelt zu Mesut, der über den Schulhof zu ihm kommt. „Die müssen uns doch sehen.“ meint Kerim. „Das geht doch nicht!“ Gerade, als er das sagt, geht eines der Mädchen durch ihn hindurch und Kerim wird es plötzlich ganz komisch. Es wird dunkel und er hört ein Rauschen und Pochen, so als wenn er unter Wasser taucht. „O.K., dann komme ich gleich nach dem Essen....“ Dann ist das komische Gefühl wieder weg und er kann wieder sehen. Ihm wird schwindelig und er fällt vor Schreck auf den Boden. Mesut ist in der Zwischenzeit bei ihm angekommen und staunt. „ WOW! Das glaub ich ja nicht! Mach das noch mal!“ „Was denn?“ fragt Kerim ganz verwirrt und sitzt immer noch auf dem Boden. „Na, du bist durch das Mädchen durchgeflogen!“ sagt Mesut verblüfft, bückt sich zu Kerim und zieht ihn hoch. „Boa, mir wurde plötzlich ganz heiß,“ flüstert Kerim, „und es wurde dunkel und dann hörte ich so ein komisches Rauschen und Pochen und eine Stimme sagte > Ich komm´ gleich, nach dem Essen! < Mann !“ „Ja, dass hat das Mädchen gesagt. Komm, du bist ja ganz blass geworden. Wir gehen drüben zum Baum und ruhen uns ein bisschen aus.“ meint Mesut besorgt. „Ich bin auch etwas müde. War doch ein langer Flug hier hin.“ Mesut hält Kerim an der Hand und sie gehen langsam zum Baum, wo sie sich auf die Wiese legen. „ Mann, dass war ja stark!“ Mesut kann ´s immer noch nicht glauben, lässt Kerim jedoch in Ruhe und denkt darüber nach. Kerim liegt auf dem Bauch,
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hat seinen Kopf auf die Hände gestützt und sieht Mesut an. Mesut liegt direkt neben ihm und sieht durch die vielen Äste hindurch, in den Himmel hinein. Er beobachtet die Wolken und meint zu Kerim; „Unsere Wolke ist doch viel weicher, zum Schlafen, meine ich.  Wo sie jetzt wohl hingezogen ist?“ Er schaut zu Kerim, aber der hat schon die Augen geschlossen und schläft. Er sieht noch eine Weile, wie die Wolken ziehen und dann fallen auch ihm die Augen zu.
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meleyim2 am 26.4.09 19:54


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