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In einer anderen Welt

Diese Geschichte entstand, als wir mit unseren beiden Großen, Yvi & Marcel (damals waren sie 9 und 6 Jahre), im Jahr 1996, dass erste Mal mit dem Flugzeug verreist sind. Und zwar nach Kuschadasse, an die Westküste der Türkei, in der Nähe von Ismir.
„In
einer anderen
Welt“
Wann bist du das letzte Mal mit deiner Familie am Flughafen gewesen?
 Nur so zum Spaß! Vielleicht an einem schönen Sonntag, als die Sonne schien und ihr gar nichts Bestimmtes vorhattet, weil es eigentlich regnen sollte. Und ihr habt euch dann ganz kurzfristig für den Flughafen entschieden, weil ihr 1., schon lange nicht mehr da ward und 2., weil es für dich immer wieder neu aufregend ist. Also, seid ihr kurzerhand dort hin, um euch die Flugzeuge ganz aus der Nähe, nämlich von der Besucher-Tribüne anzusehen. Wie sie starten, wie sie landen, wie sie mit ihrem riesigen, gewaltigen Körper ihren Wendekreis ziehen, um an die Gangway anzudoggen. Du fragst dich jedes mal wieder, wie dieses tonnenschwere Stahlding in die Luft gehen kann. Wie viel Kraft die Turbinen dafür aufbringen müssen! Unglaublich, nicht wahr? Vielleicht bist du auch schon einmal mit einer Maschine geflogen. Erinnerst du dich? Zuerst bist du ganz aufgeregt, oder sogar ängstlich, weil du denkst, dass ja
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ausgerechnet deine Maschine abstürzen könnte.
 Du lässt dir aber um Gotteswillen nichts anmerken! Dann seid ihr endlich im Flughafen angekommen, du und deine Eltern,  habt euer Gepäck aufgegeben und nun sitzt ihr in der riesigen Abfertigungshalle und wartet. Du siehst um dich herum noch 100te von Menschen, die auch herum sitzen und warten, oder noch ihr Gepäck aufgegeben müssen und denkst: „Fliegen die etwa alle in unserer Maschine mit?“ Irgendwann kommt eine Lautsprecherdurchsage, die euch auffordert: „Flug 1712 startet in einigen Minuten. Bitte begeben Sie sich zu Gang 12B, wo unser Bodenpersonal Sie erwartet!“ Dann schnappt ihr hektisch eure Jacken und das Bordgepäck und lauft den breiten Flur entlang, der kennzeichnet, „zu Gang 12B“! Und es sieht wirklich so aus, als wenn alle Anderen auch dort hin müssen! Es wird langsam, aber
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sicher immer enger, vor lauter Menschen,
 so dass du schon Angst bekommst, deine Eltern zu verlieren. An Gang 12B endlich angekommen, müsst ihr euch in eine Schlange stellen, um die Tickets kontrollieren zu lassen, erst dann dürft ihr Gang 12B passieren. Du glaubst, dass ihr jetzt endlich zu eurem Flugzeug kommt, doch dieser Gang 12B ist ein langer, dünner Schlauch und du hast das Gefühl, als wenn ihr das Flugzeug nie mehr erreichen werdet, denn durch das Gedränge und Geschiebe kommt ihr nur sehr langsam vorwärts. Zwischendurch kannst du zufällig durch diese schmalen Seitenfenster blicken und siehst die riesige Maschine, die auf euch wartet. Am Ende von Gang 12B stehen lächelnd zwei Frauen vom Bodenpersonal, die dir ja schon angekündigt wurden. Sie weisen jeden von euch einen Platz zu und wünschen  dir einen angenehmen Flug. Endlich betrittst du, mit
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deiner Familie das Flugzeug!
 Du gehst durch diese kleine Einstiegs-Luke, die aussieht wie ein schwarzes Loch. Doch ihr müsst schon wieder durch einen Gang! Einen noch engeren, als den Letzten sogar! Er führt dich an vielen Reihen Sitzplätze rechts und links von dir, vorbei. Da gehst du durch, bis zur 16. Reihe. Du hast sie durchgezählt und sie ist nicht mal am Ende der Maschine, sondern noch in der Mitte. Sitz 64 D. Das ist dein Platz. Endlich habt ihrs geschafft! Deine Familie ist auch nicht verloren gegangen und du kannst dich setzen. Das war ein hartes Stück Arbeit!  „Papa, wie viele Leute passen denn hier rein?“ „ Ich glaube 500, oder so.“ Du schnallst dich an, in deinem langen, schmalen Sitz und kannst nur die Rückseite eines langen, schmalen Sitzes vor dir sehen. Doch, wenn du Glück hast und 64 D ist ein Fensterplatz, dann hast du neben dir eine kleine Luke, durch die du sehen kannst und vielleicht hast du einen Blick auf die Tragfläche
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des Flugzeugs, oder sogar auf die Turbine,
 die sich direkt darunter befindet, mit deren Hilfe die Maschine abheben wird. Langsam ist es ruhiger um dich herum und die Menschen haben alle ihren Platz gefunden. Jetzt kannst du hören, wie die Turbinen immer lauter werden und du spürst, wie diese gigantische Maschine sich in Bewegung setzt, Richtung Startbahn. Du bist ganz aufgeregt und siehst neben dir, dass deine Eltern genauso aufgeregt sind. Du siehst es daran, weil sie auf ihren Vordersitz starren und die Armlehnen umklammert halten, so wie du. „Du brauchst keine Angst zu haben, mein Schatz!“ Die Maschine hat die Startbahn erreicht und wird schneller. Du merkst es, weil du immer fester in den Sitz gepresst wirst. Du kannst dich überhaupt nicht bewegen und sitzt stocksteif in deinem Sitz. Das einzige was du kannst ist, dich an diese Lehnen festklammern. Alles um dich herum rappelt und macht einen ohrenbetäubenden Lärm. Du siehst nur auf deinen Vordersitz, hast das Gefühl, dass gleich alles
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auseinander bricht und spürst plötzlich,
 wie der Sitz nach hinten kippt und das Rappeln ist verschwunden. Das Flugzeug hat die Erde verlassen! Jetzt siehst du aus der Luke neben dir und die Erde kommt dir ganz schief vor und verschwindet immer mehr. Sobald sie nicht mehr zu sehen ist, bemerkst du die Wolken, die schnell näher kommen und du bekommst ein ganz komisches Gefühl in den Ohren, so als wenn sie mit Watte verstopft sind. Die Wolken werden immer gewaltiger, denn so nah hast du sie noch nie gesehen. Eigentlich haben sie dich nie wirklich interessiert, denn sie bringen nicht unbedingt was Gutes. Sie verstecken die Sonne hinter sich und sie sorgen dafür, dass du Zuhause bleiben musst, wenn es regnet. Doch jetzt! Diese riesiggroßen, gewaltigen Gebilde aus Nichts! Die so unheimlich auf dich zu kommen! Du hast das Gefühl, dass sie euch gleich verschlucken werden und ihr für immer verschwunden seid. Und sie kommen
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immer mehr auf dich zu und >blubb<, haben sie euch verschluckt. Du siehst nur noch dicken Nebel vor dir, so wie dicke, weiße Zuckerwatte. Du hast das Gefühl, dass du die Luft anhalten musst und dass der Nebel das Flugzeug zerquetschen will. Du klammerst dich fest an deinen Sitz, auf alle unangenehmen Überraschungen gefasst. Eine Hand kommt rüber auf deine. „ Ist alles in Ordnung, mein Schatz?“ Du siehst deine Mutter an und versuchst zu lächeln. „Mmh!“ Langsam wird der Nebel leichter und heller und du wirst auch etwas lockerer. Du siehst wie die Wolken immer leuchtender werden und >blubb<, seit ihr durch. >Puh!< Zeit, Luft zu holen. >Wow!< Sieh dir diesen Himmel an! Er strahlt so wahnsinnig blau, so ein blau hast du noch nie gesehen! Und unter euch, ein dicker, fetter, weißer Teppich, aus strahlend weißen, riesigen Wattebällen! Riesig und unendlich! So unendlich, wie ein Meer in einer anderen Welt! Du hast das Gefühl, als müsstest du sofort da hinaus und dich dort hinein stürzen, in dieses weiße Meer! Eintauchen, wie ein Delphin!
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Du fühlst dich so groß und dieses Flugzeug kommt dir plötzlich so winzig klein und eng vor. So eng, dass du am liebsten ausbrechen möchtest. Du hast das Gefühl, dass die Maschine jeden Moment platzen müsste, bei deiner Größe! Diese Welt hier oben ist so anders, so phantastisch, dass du gar nicht mehr nach unten willst! Doch sehr bald merkst du, wie das Flugzeug wieder absinkt und an Höhe verliert. Doch du willst noch nicht runter und am liebsten würdest du den Piloten anschreien: „Halt! Nicht wieder runter! Ich will hier oben bleiben!“ Du wirst ganz traurig, weil du weißt, dass das nicht geht und ihr sehr bald euer Ziel erreichen werdet. Und dann ist es vorbei! Das Flugzeug ist gelandet und ihr seid wieder auf der Erde! Du siehst noch zu, wie die Maschine langsam zur Abfertigungshalle rollt und an eine der Gangways an doggt. Doch irgendwie ist es nicht mehr interessant für dich. Es ist nicht mehr wichtig. Und jetzt, wo ihr wieder festen Boden unter den Füßen habt,                                                          
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,könnt ihr das Flugzeug verlassen, so wie ihr es betreten habt. Doch du gehst ganz langsam, so als hoffst du, dass der Pilot dich festhält und sagt: „Na, warte du mal, wir drehen noch `ne Runde!“ Doch er kommt nicht und deine Füße werden dich nach draußen tragen, so wie du es kennst. Deine Familie ist jetzt wieder ganz locker und quatscht fröhlich drauf los, weil sie froh sind, wieder unten zu sein. Dein Vater wuschelt dir durchs Haar. „Nah, bist du froh, dass wir endlich da sind?“ Doch du sagst gar nichts. Du bist nur traurig… doch dieses Gefühl, dass ganz weit da oben, über den Wolken, eine ganz andere Welt beginnt, in die du ganz kurz einmal eintauchen durftest, dieses Gefühl nimmst du mit! Ja, und plötzlich bist du doch nicht mehr traurig, denn es ist doch nicht mehr alles so, wie du es kennst! Du wirst ihr noch oft begegnen, diese andere Welt!
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Denn jetzt, wo du Sie kennst, wird Sie bei dir sein. In deinem Kopf, in deinen Träumen! Und dort wirst du dann frei sein. So wie du es dir gewünscht hast. Dort oben, in dem Flugzeug. Dieses kleine, winzige Ding. Dass dich daran gehindert hat, dort oben zu bleiben. Frei zu sein, wie ein Vogel! Wie ein Engel so frei! Du nimmst die Hand deines Vaters und siehst zu Ihm hoch. Papa, weißt du was? Ich werde Pilot!“
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23.4.09 11:12
 


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