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Zwei Brüder wie wir

Kapitel 2
Zwei Brüder wie wir !
„Iiiiiuuuummmm....!“ „Wo die wohl hinfliegen?“ meint Mesut. Plötzlich springt er auf, breitet seine Arme aus, rennt los und summt ganz laut dazu, so wie Kerim. „Iiiiiiuuuuummmm...! Komm, los, Kerim! Wir sind zwei Flugzeuge. Auf dem Weg, in ein fernes Land! Iiiiiiiiuuuuuummmmm...!“ Das gefällt Kerim und springt auch auf. Sie rennen kreuz und quer. Die Arme weit ausgebreitet, aneinander vorbei. Immer wieder und der Eine ist lauter, als der Andere. „Iiiiiiuuummm...! Iiiiuuummm...! Iiiiuuummm...!“ Sie sind schon ganz außer Atem und Mesut ruft; „ Lass uns mal zurück fliegen und sehen, was noch so los ist.“
Beide rennen wieder lautstark zum Wolkenrand und legen sich auf ihren Platz zurück. Kerim sieht wieder zum Flughafen, ob er etwas Neues entdeckt. „Guck mal, neben dem Flughafen sind 1000 Container und LKWs und dahinter ist ein Haven mit vollgeladenen Schiffen.“ Kerim zeigt jetzt auf eine andere Stelle. „Sieh mal, die Autobahn da, wie komisch die aussieht! So wie eine Schleife auf einem Geburtstagsgeschenk. Man, sind da viele Autos unterwegs! Und LKWs ! Was meinst du, ob die uns auch sehen können?“
Mesut runzelt die Stirn. Dies macht er immer, wenn er nachdenken muss. „Nein. Ich glaube nicht. Die können bestimmt nur die Wolke sehen. Nee, uns nicht.“ sagt er, ist sich aber wirklich nicht sicher. Jetzt sieht Mesut auf der Autobahn etwas Interessantes und zeigt darauf. „Da kommt gerade ein Auto die Auffahrt hoch gebrettert. Mann, der hat aber `n Affenzahn drauf! Boa, ist der dreist! Der überholt alle Autos im Zickzack! Der hat’s aber eilig!“ Kerim sieht sich das Spielchen auch fasziniert an. „OH! “ meint Mesut, „Ich glaube, gleich hat er ´s nicht mehr eilig. Hinter ihm kommt die Polizei! Ob der vielleicht `ne Bank ausgeraubt hat, oder so?“ Er überlegt. „Oh, ich glaub, ich weiß es. Er hat bestimmt den Wagen geklaut.
-7-
Sieh mal,“ Mesut zeigt mit dem Finger auf eine Stelle. „da vorne haben sie schon die Autobahn gesperrt. Die Anderen müssen alle rechts stehen bleiben. Jetzt haben sie ihn. Er kann nicht weiter. Er muss stoppen. Boa, ist das spannend. Ist ja fast wie im Kino.“
„Ich sehe auch was Tolles! Da unter uns.“ Kerim zeigt genau unter ihre Wolke und dabei ist er ganz weit nach vorne gerutscht, um es zu sehen. Doch Mesut packt ihn schnell am Kragen. „Hey, pass auf. Sonst bist du weg. Mannomann! Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinsehen soll.“
„Pass mal auf.“ unterbricht Kerim ihn. „Da unten brennt ein Haus und jetzt kommt die Feuerwehr und versucht das Feuer zu löschen. Hoffentlich sind keine Leute mehr drin, denn dass wäre ziemlich gefährlich. Da kommt auch ein Rettungswagen. So was wolltest du doch immer schon mal sehen.“ Jetzt sieht Mesut sich das genauer an. „Ja, sieh mal, die haben schon die Leiter ausgefahren und die Schläuche ausgerollt. Ich hab´ noch nie gesehen, wie die so etwas machen. Sieht ganz einfach aus. Hast du ihre Sirene vorhin gehört? Ich nicht.“ fragt er Kerim. Beide konzentrieren sich auf die Arbeit der Feuerwehrleute. „Komisch,“ meint Mesut nachdenklich, „ich höre eigentlich gar nichts, außer den Wind!“ Eine Weile lauschen sie angestrengt. „Hören kann ich ihn auch,“ meint Kerim, „aber hier oben ist kein Wind. Ist mir noch gar nicht aufgefallen.“ „Vielleicht ist er nur unter der Wolke.“ meint Mesut. „Meinst du?“ „Mmh...!“
Mesut schaut wieder nach unten. Die Arbeit fasziniert ihn sehr. „Sieh mal, da ist die Familie vor dem Haus. Sie stehen neben dem Rettungswagen. Sieht aus, als wenn ihnen nichts passiert ist. Die Eltern haben ihre Kinder auf dem Arm. Sie sind noch ziemlich klein, richtige Babys. Da haben sie echt Glück gehabt! Wo die jetzt wohl wohnen? Jetzt, wo ihr Haus ganz kaputt ist.“ Mesut schaut zu Kerim und stellt fest, dass er die ganze Zeit mit sich selbst geredet hat, denn Kerim ist weg.
„Ja, toll!“ meint Mesut zu sich selbst und dreht sich um, um zu sehen, wo Kerim steckt.
-8-
Er sieht ihn wieder rumhüpfen und zwar ganz schön hoch, am äußersten Wolkenrand entlang. „Kerim !!!“ KERIM!!! KERIM!!! brüllt Mesut schockiert. Wie er so brüllt, schallen seine Worte wieder und wieder. „Pass auf!!!“ PASS AUF!!! PASS AUF!!! „Du fällst!!!“ DU FÄLLST!!! DU FÄLLST!!!
Mesut lauscht dem Echo. „Hi-hi-hi- dass hört sich lustig an.“
Kerim hat von all dem gar nichts bemerkt. Er hüpft  singend vor sich hin. „Ri-Ra-Rutsch, Tik-Tak-Tutsch.“ Er hat schon beinah die andere Seite der Wolke erreicht und achtet nicht auf das Gebrüll von Mesut, der sich schon wieder beruhigt hat. „Hallo !!!“ HALLO!!! HALLO!!! (boing, boing) Mesut hüpft wie Kerim am Wolkenrand vorbei und brüllt herum. „Ich bin’s!!!“ ICH BINS!!! ICH BINS!!! (boing, boing) „Mesut !!!“ MESUT!!! MESUT!!!
(boing, boing) Mesut ist auch fast auf der anderen Seite angekommen und brüllt fleißig vor sich hin. Doch plötzlich kann er Kerim nirgends mehr sehen. Kerim ist weg!
Sofort bleibt Mesut stocksteif stehen. „Kerim !!! KERIM!!! KERIM!!! brüllt er wieder, in Sorge um seinen Bruder. Doch jetzt mit Recht, denn Mesut sucht die ganze Wolke nach ihm ab, aber er kann Kerim nirgendwo sehen. „Kerim !!!“ KERIM!!! KERIM!!!
Jetzt findet Mesut das Echo überhaupt nicht mehr lustig. Ohne zu überlegen macht er einen Riesensatz und landet dort, wo er Kerim gerade noch gesehen hat. Er wundert sich nicht mal, dass er so weit springen kann. Er hat gar keine Zeit dazu, denn was er jetzt sieht, kann er kaum fassen.
„Kerim !!!“ KERIM!!! KERIM!!! brüllt Mesut ihn wieder an, obwohl Kerim direkt vor ihm ist. Mesut wirft sich hin, auf Händen und Knien und sieht zu Kerim, der sich gar nicht auf der Wolke befindet, sondern in der Luft. Ja, Kerim schwebt!!! „Was tust du da?“ TUST DU DA!!!  TUST DU DA!!! brüllt Mesut ihn an.
Kerim sieht ihn verzweifelt an. Er kann es auch nicht fassen. Kerim schwebt gar nicht, er fliegt!!!
Zweifellos! Zwei kleine Flügel auf seinem Rücken bewegen sich ganz schnell auf und ab, im selben Rhythmus. Kerim kann fliegen! Tatsächlich! Es ist kaum zu glauben.
-9-
Mesut starrt ihn mit offenem Mund an und wundert sich, wie Kerim so plötzlich Flügel haben kann. Kerim hat große Mühe, seine neue Kraft unter Kontrolle zu bekommen. Er kippt hin und her, hoch und runter und er versucht dabei verzweifelt  mit seinen ausgestreckten kurzen Ärmchen, die Wolke zu fassen, denn er hat große Angst abzustürzen. Mesut liegt am Wolkenrand und versucht nun Kerim´s Hände zu greifen. Er schreit immer wieder seinen Namen und ihm kullern Tränen die Wangen hinunter. Er hat panische Angst, dass Kerim abstürzt, denn dann ist er ganz allein. Schon der Gedanke versetzt Mesut in Angst und Schrecken.
Kerim versucht angestrengt seinen Flügelschlag zu kontrollieren. Ihn läuft Schweiß von der Stirn und er will immer wieder Mesut´s Hände schnappen, aber er kommt nicht dran. Mesut weiß, wenn Kerim es nicht schafft, dann ist er verloren. Deshalb versucht er ihm jetzt ruhig zuzureden. „Pass mal auf! Sei ganz ruhig! Du schaffst das schon! Konzentriere dich! Du musst dich ganz ruhig halten und schlag nicht so heftig mit deinen Flügeln! Dann geht's!“ Kerim beißt die Zähne in seine Lippen und schließt die Augen, um sich zu konzentrieren.
Er steckt nun all seine Kraft in diese neuen Flügel und Mesut sieht, wie es ihm furchtbar anstrengt. Doch es klappt. Kerim bewegt sich nach oben. „Ja, ja!“ Ja, ja!!! Ja, ja!!! brüllt Mesut unter Tränen. „Komm, du schaffst es. Ich weiß es. Noch ein kleines Stück, dann hab ich dich.“ Hab ich dich!!! Hab ich dich!!! ruft Mesut aufgeregt. Und tatsächlich bekommt Mesut Kerim´s Hände zu fassen. Er brüllt ihn an: „Ja, ich hab dich! Ich hab dich!“ HAB DICH!!! ICH HAB DICH!!! ICH HAB DICH!!!
 und zieht Kerim schnell hoch. Mesut nimmt Kerim in den Arm und lacht und weint und alles gleichzeitig. Er drückt ihn ganz fest an sich, als wenn er ihn niemals wieder loslassen will. Kerim laufen auch Tränen aus den Augen, vor Anstrengung und vor Freude. Er legt ganz erschöpft seinen Kopf an Mesut´s Schulter. Kerim ist fertig, mit sich und der Welt und beide bleiben eng umschlungen liegen.
-10-
Glücklich vor Erleichterung und Müdigkeit schlafen beide schnell ein, auf der weichen, weißen Zuckerwatte.
Das waren zu viele verrückte Erlebnisse für zwei kleine Jungs, an einem Tag. Ihnen war nicht mal aufgefallen, dass ein ganzer Tag verstrichen ist. Dass die Sonne langsam am Wolkenrand verschwunden ist und das blendende Weiß von grauen Schatten abgelöst wurde.
Zwei kleine Jungs, die so schnell und so fest eingeschlafen sind, dass sie nicht mehr mitbekamen, wie die Nacht einbrach und sie mit seinem strahlenden Sternenhimmel in gelbes Licht tauchte. Sie schliefen eng umschlungen und hielten sich so fest, damit sie sich niemals wieder verlieren konnten. Zwei kleine Jungs, die einen unglaublichen Tag hinter sich gebracht hatten und keine Zeit, dies alles zu begreifen.
Für sie war alles wie ein Traum.
Was sie wussten war, dass sie zusammen sind und dass es ihnen gut geht! Sie wussten nicht, was Gestern war und sie wissen nicht, was Morgen kommt.
Wir lassen die Zwei friedlich schlafend zurück. Diese erste Nacht wird für sie ereignislos vergehen.
Doch unten, auf der Erde, wird immer etwas los sein. Ob Tag, oder Nacht. Wir brauchen uns doch nur die Nachrichten im Fernsehen anzusehen. Irgendwo passiert immer irgendetwas und wir fragen uns ernsthaft, was der neue Tag uns bringen wird.
-11-

23.4.09 11:30
 


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